„Es gibt nichts, was es nicht gibt. Auch der Besenstiel kann schießen‘‘, ruft Trainer Wolfgang Auer beim Einsatztraining in den Turnsaal und demonstriert einen Angriff mit Pfefferspray. Die Polizeischüler (insgesamt 30 Männer und 20 Frauen), die sich unter 936 Bewerbern in einem Auswahlverfahren durchgesetzt haben, schauen gespannt zu.
„Als Polizisten müsst ihr auf alles vorbereitet sein‘‘, ermahnt Auer. Sogleich werden im Turnsaal die schwierigsten Situationen geprobt: vom richtigen Umgang mit (Übungs-)Waffen und Pfefferspray, der Fallschule, der Täteransprache bis zur Festnahme. Einsatztrainer Auer gibt die Anweisungen, während seine Schüler gerade einen „Täter‘‘ überwältigen müssen. Noch ist alles nur Übung, doch bald können daraus Ernstfälle werden.
"Die Polizei wird weiblicher"
Wirft man einen Blick in die Runde, sieht man viele weibliche Gesichter. Mit 40 Prozent ist der Frauenanteil im Bildungszentrum der Sicherheitsakademie Kärnten überdurchschnittlich hoch. Bisher gab es unter den 2.000 Kärntner Polizisten nur sieben Prozent Frauen. „Die Polizei wird weiblicher“, bestätigt Oberst Edith Schlintl, Leiterin des Bildungszentrums in Krumpendorf. Eine „Extrabehandlung“ für Frauen schließt sie allerdings aus.
In der zweijährigen Ausbildung ist neben der körperlichen Fitness jede Menge Köpfchen gefragt. Vor allem in der Rechtslehre muss alles „sitzen“: „Eine besondere Herausforderung ist das Erlernen der Gesetze“, meint Chefinspektor Peter Pirker. „Schließlich muss man im Ernstfall richtig und gesetzeskonform reagieren. Da bleibt oft wenig Zeit zum Nachdenken.“ Daher sind dem Sicherheitspolizeigesetz gleich 224 Unterrichtsstunden gewidmet. „Die Schwerpunkte liegen in der Vermittlung von Rechtsmaterien, Kriminalistik, sozialkommunikativer Kompetenz und im Einsatztraining“, skizziert Oberst Schlintl die Ausbildung.
Maturanten und Spätentschlossene
Bisher haben die 50 Polizeischüler die unterschiedlichsten Berufe ausgeübt. Neben vielen Maturanten schlüpfen nun sogar ehemalige Stewardessen, Lehrerinnen und Grafiker in die Uniform. Zu ihnen zählt Alpinist Klaus Steiner aus Hermagor. Er ist mit mittlerweile 31 Jahren der älteste Polizeischüler Kärntens. „Ich habe gerade noch das Alterslimit von 30 Jahren erfüllt“, schmunzelt er. Schon seit vielen Jahren wollte er Polizist werden. „Gott sei Dank hat es noch geklappt! Als Polizist ist man einfach nahe am Leben und den Menschen dran.“
Die Klagenfurterin Benita Ebner (18) ist wiederum die jüngste Polizeischülerin. „Mir taugt die Ausbildung, man lernt hier unglaublich viel. Außerdem habe ich Verwandte bei der Polizei. Dadurch ist der Bezug schon länger da gewesen“, lacht Ebner. In spätestens zwei Jahren wird sie selbst für Recht und Ordnung sorgen.
von Christian Rosenzopf, "Kärntner Krone"
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