So, 23. September 2018

24-Jähriger tot

06.09.2018 05:00

„Ich werde nicht der 14. Drogentote sein!“

Am 29. August starb der 24-jährige Manuel an einem Drogencocktail. Sein Stiefvater Siegfried erzählt über Hoffnungen, Bemühen, Schock, Ratlosigkeit und tiefe Trauer. Eine Geschichte wie ein Mahnmal.

Vor dem Begräbnis am vergangenen Samstag hat Sigi Manuels Freunde eingeladen: „Ich wollte erfahren, ob sie etwas gemerkt haben. Wissen, warum sie nichts gesagt haben.“ Die Eltern wussten, dass Manuel „kifft“. „Im Mai hat er aber gestanden, dass er auch andere Drogen nahm. Es fing an, als er von einem NATO-Einsatz im Kosovo auf Heimurlaub war. Sein bester Freund blieb damals unten.“

14. Drogentoter: Koks und Medikamente
Manuel lernte andere Leute kennen: „Dubiose Typen. Er hat Koks geschnupft und Medikamente genommen. Wir brachten ihn dazu, zur Drogenberatung zu gehen.“ „Nicht abhängig“, diagnostizierte man dort.

Auch der Freund machte sich Sorgen. Manuel sagte zu ihm: „Diese Medikamente kriegen sechsjährige Kinder. Was kann denn schon passieren?“ Manuel gab dem Freund auch ein Versprechen: „Ich werde nicht der 14. Drogentote sein!“

Familie hielt fest zusammen
Die Mutter und der Stiefvater, mit dem sich der 24-Jährige ausgezeichnet verstanden hatte, redeten oft mit ihm. „Er konnte mit allem zu uns kommen. Wir taten unser Bestes.“ Als der Freund ihm wieder einmal von den Drogen abriet, antwortete Manuel: „Lass mich noch die eine Woche Party machen, dann geh’ ich eh arbeiten!“

Manuel, Tormann beim VST Völkermarkt und HAK-Abgänger, hatte nämlich eine Lehrstelle gefunden. „Er sollte Prozesstechnik lernen; eine Wohnung hatte er auch in Aussicht.“

Zum Stiefvater sagte er an einem der letzten Abende: „Ich hab’ so eine Freude! Jetzt geht’s aufwärts!“

Stiefvater: „Wir haben geredet. Er schien ruhig.“
Doch vor einer Woche war plötzlich alles anders: „Er kam heim, schimpfte über seinen Bruder, wollte mit dem Schraubenzieher in dessen Zimmer einbrechen. Das machte den Mädchen Angst. Dann war er ihm Bad, kam beruhigt wieder heraus und fuhr weg.“ Sigi fuhr ihm nach: „Zum Teich, da saßen seine Jugendfreunde um ein Lagerfeuer herum und tranken ein paar Bier miteinander. Er hat mir auch eins angeboten und wir haben wieder geredet. Er schien ruhig.“

Auf Anraten der Freunde fuhr Manuel mit dem Stiefvater heim: „Er wollte gleich schlafen gehen. Ich schaute später bei ihm vorbei. Er saß im Bett und schlief. Ich holte seine Mutter; wir haben ihn gemeinsam bequem hingelegt und zugedeckt.“

Als Sigi in der Früh zur Arbeit ging, schlief Manuel noch: „Er schnarchte leise.“ Gegen 10 Uhr kam dann der Anruf der Mutter: „Der Manuel ist tot!“

Serina Babka
Serina Babka

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