Tat gestanden

Vater und Onkel ermordet: Prozess um Ex-Polizist

Kärnten
23.11.2009 11:45
Ein 35 Jahre alter Mann muss sich am Freitag vor einem Geschworenengericht in Klagenfurt verantworten. Laut Anklage hat er im April 2009 in Gödersdorf (Bezirk Villach Land) seinen Vater (60) und dessen Bruder (53) erschossen. Den Angeklagten erwartet die Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher.

Der 35-Jährige tötete seinen Vater, einen Polizisten, und seinen Onkel in einem Haus in Gödersdorf mit mehreren Schüssen aus einem Gewehr. Danach suchte er ein Gasthaus in Fürnitz auf, wo er mit der Waffe um sich schlug und zwei Gäste am Kopf verletzte. Diese alarmierten die Polizei. Bei den Einvernahmen gab er an, er habe auch die Gäste erschießen wollen. Die Waffe hatte jedoch versagt.

Angeklagter ist geständig
Nach Entdeckung der Bluttat wurde der verdächtige Ex-Polizist in einer Alarmfahndung gesucht. Auf der Flucht blieb der Mann mit seinem Auto im Bereich der sogenannten Schütt bei Villach im Morast stecken. Er wurde von einem Hubschrauber aus gesichtet und ließ sich letztlich von Mitgliedern der Spezialeinheit Cobra widerstandslos festnehmen. Der 35-Jährige, dem Sachverständige "geistige und seelische Abartigkeit" attestieren, ist geständig.

Täter über Vater: "Er war ein Tyrann"
Michael L. hat seit Jahren schwere psychische Probleme, wie er selbst angab: Depressionen, Wahnvorstellungen. Aus diesem Grund schied er nach wenigen Jahren wieder aus dem Polizeidienst aus. Seit 1997 war der Finkensteiner Student, der von seinen Eltern ausgehalten wurde. Dass der Vater, ebenfalls Exekutivbeamter, ihn deswegen immer öfters zur Rede stellte, dürfte dem 36-Jährigen irgendwann zu viel geworden sein.

"Er war ein Tyrann", so der Amokläufer – zumindest in seiner Welt, die er je nach Einnahme seiner Medikamente wahrnahm. Am 30. April eskalierte die Situation: L. nahm eine im Internet ersteigerte Waffe, erschoss seinen Vater und seinen anwesenden Onkel, ehe er in einem Gasthaus weitere Menschen töten wollte. Er habe alle erschießen wollen – nur Frauen und Kinder hätte er am Leben gelassen, ließ er nach seiner Festnahme wissen.

Kommt Täter auf freien Fuß?
Wenn Michael L. eingewiesen wird, so geschieht dies auf unbestimmte Zeit. Würden Psychiater irgendwann feststellen, dass er keine Gefahr mehr darstellt, könnte er auch wieder auf freien Fuß gesetzt werden. So sieht es die österreichische Justiz in solchen Fällen vor. Der Prozess beginnt am Freitag.

Bild: Der 35-Jährige bei der Verhaftung nach dem Doppelmord

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