Flüssigkeitsverbot

Sackerl-Schikane bleibt wohl noch Jahre bestehen

Ausland
20.11.2009 18:01
Passagiere auf europäischen Flughäfen müssen wohl noch einige Jahre mit dem bestehenden Flüssigkeitsverbot fürs Flug-Handgepäck leben: Ein mit Experten der 27 EU-Staaten besetzer Ausschuss hat am Freitag die Aufhebung der Beschränkungen mit erst Ende April 2013 beschlossen. Und auch dann kann das massenhafte Getränke-Ausschütten nur beendet werden, wenn Flughäfen mit entsprechenden Flüssigkeitsscannern ausgestattet sind. Die geforderte Technologie existiert aber noch gar nicht in der gewünschten Form.

Seit 2006 dürfen Fluggäste nur mehr sehr beschränkt Flüssigkeiten mit an Bord von Flugzeugen nehmen. Die Regelung war eingeführt worden, nachdem angebliche Pläne für Terroranschläge mit Flüssigsprengstoff auf Flugzeuge aufgedeckt worden waren.

Getränke, Zahnpasta, Babynahrung und Co., die nicht aus Shops im Abflugbereich stammen, dürfen seither nur noch in 100-Milliliter-Behältern und in einem wiederverschließbaren Plastiksackerl verpackt durch die Kontrolle. Allein am Flughafen Wien-Schwechat wurden 2008 deswegen täglich 300 bis 500 Kilo Flüssigkeiten "entsorgt".

Jahrelanges Herumgezerre
Die ursprünglich bis 2014 geltenden Sicherheitsvorschriften werden zwar auch mit der Entscheidung der 27 Regierungsvertreter ein Jahr früher abgeschafft. Als Bedingung wird allerdings gestellt, dass bis dahin Kontrollgeräte zur Verfügung stehen müssen, die Flüssigsprengstoff von harmlosen Substanzen wie Wasser oder Shampoo unterscheiden können.

Die EU-Kommission hatte zuletzt vorgeschlagen, die Geräte schon 2012 auf Großflughäfen, flächendeckend ab 2014 einzuführen. Vor einem Jahr hatte man sogar noch den April 2010 anpeilen wollen. 2007 haben EU-Parlamentarier die Kommission erstmals um eine Aufhebung der Sicherheitsvorschriften ersucht - und zwar ohne Flüssigkeitenscanner. Es bestehe der dringende Verdacht, dass die hervorgerufenen Kosten nicht im Verhältnis zu dem Mehrwert stehen, der durch zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen erreicht werden soll, hieß es damals.

Immerhin darf man ab 2011 beim Umsteigen im Transitbereich eines EU-Flughafens die zuvor im Abflugbereich eines Nicht-EU-Flughafens gekauften Flüssigkeiten behalten.

Flughafenverband: "Technologie existiert nicht"
Der deutsche Flughafenverband ADV kritisiert die Vorschläge des Experten-Ausschusses als unrealistisch. "Die Technologie, die zur Detektion der Flüssigkeiten erforderlich ist, existiert heute noch nicht und es ist auch fraglich, ob die Technologie im Jahr 2013 bis zur Marktreife entwickelt sein wird", erklärte ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel. Die Flughäfen dürften auch nicht dazu verpflichtet werden, "eine möglicherweise unausgereifte Technik einzuführen". In der Tat gibt es bis jetzt nur Prototypen in verschiedenen Teststadien bzw. nur Geräte, für die die Flüssigkeiten aus dem Handgepäck genommen werden müssen. Mit Stückpreisen von 300.000 Euro sind diese auch relativ teuer.

EU-Diplomaten weisen indes freilich daraufhin, dass die Experten-Empfehlung für diesen Fall die Möglichkeit einer Änderung des Zeitplans vorsieht. "Entwicklungen technischer und regulatorischer Natur könnten die Daten beeinflussen", heißt es in dem Papier der von den 27 Regierungen nominierten Ausschussmitglieder. Am Ende bestimmt also die Marktreife der Scanner über das Verbotsende.

Die Auslöser des Flüssigkeitsverbotes, drei britische Muslime, die Transatlantikflüge mit Flüssigsprengstoff zum Absturz bringen wollten, wurden Ende September wegen Verschwörung zum Massenmord zu Haftstrafen von 40, 36 und 32 Jahren verurteilt.

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