Mo, 23. Juli 2018

„Krone“-Interview

09.06.2018 07:00

US-Band Stone Sour: Der ruhige Mann im Hintergrund

Nach einem gefeierten Gig letzten Dezember im Wiener Gasometer kehren die US-Alternative-Metaller Stone Sour in wenigen Tag zurück, um das Nova Rock zum Beben zu bringen. Mit dabei ist auch der von allen Süchten befreite Gitarrist Josh Rand, mit dem wir auch über seine Schüchternheit, die ewige Freundschaft zu Corey Taylor und eine mögliche Beteiligung seinerseits bei Slipknot sprachen.

Das Rampenlicht, Terminstress, ausufernde Tourneen und Reisen oder das schiere Gefühl, nirgendwo Zuhause zu sein - auch für Rockstars gibt es viele Gründe, warum sie trotz oder aber vielleicht gerade wegen Ruhm, Geld und Popularität immer wieder aus der Spur fallen. Wirklich überraschend ist es immer dann, wenn es nicht etwa gewohnte Exzentriker wie Axl Rose oder Al Jourgensen trifft, sondern die Menschen aus der zweiten Reihe. Die stillen Arbeiter, die sich nicht in den Vordergrund drängen und gerade deshalb für jede Band von essenzieller Wichtigkeit sind. So wie etwa Stone-Sour-Gitarrist Josh Rand. Neben Sänger Corey Taylor letztes verbliebenes Gründungsmitglied der erfolgreichen Alternative-Metaller und mit seinem unauffälligen Äußeren und der unprätentiösen Spielweise so etwas wie die Blaupause für den „Mann im Hintergrund“.

Spontanentschluss
Still und heimlich verschwand Rand schon im Jänner aus der Band, um aus anfangs nicht näher definierten Gründen eine Auszeit zu nehmen. Die Gründe waren ernst. Drei Monate lang kämpfte der 43-Jährige intensiv gegen seine Alkohol- und Xanax-Sucht an, die ihm schon seit Längerem zu schaffen machte. Wie er der US-Plattform loudwire.com mitteilte, war ein Abschied auf Zeit unumgänglich. „Im Jänner war es endgültig so weit, dass ich mich wie gegen eine Wand gelaufen fühlte, und im besten Interesse von mir und der Band beschloss, einen Schritt zur Seite zu gehen, um meine Probleme endlich in den Griff zu bekommen.“ Als die Band sich am Flughafen befand, um für Konzerte nach Kanada zu fliegen, drehte Rand vor dem Check-In um und beschloss, augenblicklich eine Wende in seinem Leben einzuschlagen.

„Es gab keine Intervention von irgendwoher, das war meine eigene Entscheidung. Unsere Security hat die anderen Jungs informiert, dass ich heim nach Des Moines, Iowa fliegen werde und alle haben mich von Anfang an zu 100 Prozent unterstützt. Für mich war zu dieser Zeit jeder Tag eine Last, ich wurde immer wieder mit Depressionsschüben konfrontiert. Ziemlich verrückt, denn ich habe mir gleich gesagt, dass das nicht sein müsse. Dass ich es aktiv ändern könne.“ Dem „Hard Drive Radio“ erklärte Rand, dass er nach dem vollbrachten Entzug wieder so viel Energie fühlte, wie zuletzt vor 16 Jahren. „Es ist für mich wie eine Wiedergeburt. Seit ich angefangen habe Sport zu machen und meine Sucht los bin, fühle ich mich wie ein anderer Mensch.“ Mittlerweile kann es sogar passieren, dass Rand mitten am Tag ins Fitnesscenter läuft und nach einem Konzert noch eine Extraeinheit nachlegt. „Das gibt mir unheimlich viel Kraft und Energie.“

Introvertiert
Die „Krone“ traf einen ruhigen, aber gut gelaunten Rand vor seinem Entzug im Zuge des Stone-Sour-Konzerts letzten Dezember im Wiener Gasometer - in wenigen Tagen kehrt die Band mit einem Gig am Nova Rock wieder nach Österreich zurück. Nach außen hat sich an Rand nichts geändert, von innen heraus präsentiert sich den Fans aber eine völlige neue Persönlichkeit. Neben seiner Alkohol- und Tablettensucht litt er zudem schon immer an seiner Schüchternheit. „Selbst das Interviewgeben war anfangs schlimm“, erzählte er uns letzten Winter, „ich musste erst lernen, alleine mit einem Fremden in einem Raum zu sitzen und über mich selbst zu reden. Auf der Bühne bin ich sicherer, fühle mich beschützt, aber hier nicht. Ich bin sehr schüchtern und introvertiert, war niemals das große Partytier. Es geht mir aber darum, mich langsam aus meinem Kokon zu bewegen, um auf Tour mehr Sicherheit zu gewinnen.“

Der Widerspruch zu Frontmann Corey Taylor könnte nicht größer sein, doch die beiden sind nicht nur durch die Band verbunden, sondern waren schon Kindheitsfreunde. Geboren und aufgewachsen im ländlichen Des Moines, Iowa, wo es für Menschen mit Weitblick und künstlerischer Triebe keine andere Möglichkeit als eine Flucht geben konnte. „Unsere Unterschiedlichkeit ist wohl auch der Grund, warum wir seit mehr als drei Dekaden so gut befreundet sind. Wir sind als Band groß geworden und jedes Ereignis fühlt sich an wie eine Barbecue-Party. Ich kenne niemanden, der die Öffentlichkeit und Aufmerksamkeit so liebt wie Corey. Für mich wäre das der absolute Horror.“ Rein musikalisch surften Taylor und Rand dafür schon immer auf einer ähnlichen Wellenlänge.

Reklamefirma
„Es ging vorwiegend darum, Coreys Singstimme eine Plattform zu geben, deshalb gründete sich diese Band. Bei Slipknot war das ja nie ein Thema, nur bei Stone Sour konnte er immer seine vielen Talente zur Entfaltung bringen. Als unser Debütalbum herauskam, war ich gerade mal 27 Jahre alt, relativ frisch verheiratet und Vater einer Tochter. Ich installierte und reparierte Neon-Reklamen in der Firma eines guten Freundes und hätte nie daran gedacht, einmal meinen Lebensunterhalt mit Musik verdienen zu können.“ Während Personen wie Taylor das Rockstar-Gen auf den Leib geschnitzt ist, übte sich Rand sogar in Zeiten des Erfolgs in voller Bescheidenheit. Als Taylor sich 2014 für damals noch unbestimmte Zeit voll auf Slipknot konzentrierte, ging Rand einfach wieder zurück in die Reklamefirma, um dort zu arbeiten. Mit fünf Alben und Nummer-eins-Singles im Rücken.

„Es war das vorläufige Ende der Band und zudem hatte ich gerade eine Scheidung zu verkraften. Bevor ich also nur zuhause sitze, zu viel nachdenke und mich permanent volllaufen lasse, könne ich genauso gut wieder arbeiten. Gerade in dieser Zeit schrieb ich einige der besten Songs meines Lebens. Im Gegensatz zu Corey hatte ich in der Musik immer nur Stone Sour, anfangs vor 30 Zusehern in Des Moines, mittlerweile vor 6000 Fans in ausverkauften Hallen in ganz Europa. Die Band wuchs irrsinnig rasant und ich habe tatsächlich an die zehn Jahre gebraucht, um all das zu verarbeiten. Noch heute kann ich es manchmal nicht glauben, wie geht es bei uns läuft.“

Künstlerische Freiheit
Trotz der guten Freundschaft und unterschiedlicher Besetzungswechsel war es nie ein Thema, dass Taylor seinem Freund auch einmal ins Slipknot-Bandcamp folgen würde. „Ich würde es hassen, in einem so engen Korsett wie bei Slipknot gefangen zu sein. Bei uns hast du unendlich viele Möglichkeiten zur freien musikalischen Entfaltung, dort gibt es strenge Regeln. Man darf auch nicht vergessen, dass Corey kein Slipknot-Gründungsmitglied ist und wohl nicht direkt entscheiden kann, wie sich die Band zusammensetzt. Der Kern dort ist fix, daran gibt’s nicht zu rütteln und das ist auch gut so.“ Dass Taylor ständig zwischen beiden Großprojekten changiert, zudem noch Bücher schreibt, Podcasts macht und solo unterwegs ist, war auch für Rand gewöhnungsbedürftig. Mittlerweile hat er mit dem „Duracell-Hasen“ seinen Frieden gemacht. „Die vielen Pausen tun uns gut. Ein wichtiger Puzzlestein unseres Erfolgs ist es, den Leuten genügend Zeit zu geben, damit sie sich wieder auf uns freuen. Würden wir dauernd unterwegs sein, würden wir uns zudem wohl selbst zerfleischen.“

Davon ist die wiedererstarkte und gesundete Truppe weit entfernt - so kommen Stone Sour nun auch zum Nova Rock nach Nickelsdorf, mit allen großen Hits im Gepäck. Weitere Infos und Karten erhalten Sie unter www.ticketkrone.at.

Robert Fröwein
Robert Fröwein

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