Di, 23. Oktober 2018

Raketen und Bomben

30.05.2018 12:05

Nach Hamas-Angriffen: „Israel bereit für Krieg“

Nach wochenlangen Protesten entlang der Grenze des Gazastreifens ist die Gewalt zwischen Israel und den Palästinensern am Dienstag auch militärisch eskaliert. Nach Dutzenden abgefeuerten Mörsergranaten und Raketen auf den Süden Israels führte die israelische Luftwaffe Angriffe auf zahlreiche Ziele durch - darunter einen Tunnel sowie militärische Infrastruktur der radikal-islamischen Hamas und des Islamischen Dschihad (siehe Video). Die Bilanz der israelischen Armee: „65 terroristische Stellungen wurden im Gazastreifen angegriffen. Bei der nächtlichen Aktion wurden Trainingsgelände, Raketenwerkstätten, Munitionsdepots, Luftabwehrstellungen, Marinestellungen und Drohnenwerkstätten getroffen.“ Während in Israel trotz der schwersten Angriffe seit Jahren die Bevölkerung bei einem krone.at-Lokalaugenschein Gelassenheit an den Tag legt, fordern viele Politiker des Landes „lieber jetzt als in drei Jahren“ einen Krieg gegen die Hamas und Hisbollah.

Es waren die schwersten Angriffe seit dem Krieg im Gazastreifen im Jahr 2014. Auch damals reagierte die israelische Armee auf andauernden Raketenbeschuss der Hamas zunächst mit Luftschlägen und schließlich mit einer Bodenoffensive. Während der zweimonatigen Offensive kam es zu zahlreichen Toten auf beiden Seiten und massiver Zerstörung der Infrastruktur im Gazastreifen, bis es am 26. August 2014 - nach Erreichen der militärischen Ziele Israels - zu einer unbefristeten Waffenruhe kam. Die aus Armeekreisen wahrgenommene Grundhaltung ist derzeit, dass ein Krieg gegen die Hamas und die Hisbollah eher jetzt als später - nach möglichen Verhandlungsversuchen, die lediglich die Kampfkraft der Palästinenser stärken könnten - geführt werden sollte. Die israelische Regierung könnte dabei auf die Unterstützung der USA und auch das Stillhalten Russlands zählen.

Meldungen, wonach Palästinenservertreter mit der israelischen Regierung nach der jüngsten Eskalation bereits eine Waffenruhe vereinbart hätten, wurden von israelischer Seite bestritten. „Diejenigen, die mit der Gewalt begonnen haben, müssen sie auch beenden“, sagte Geheimdienstminister Israel Katz in einem Radiointerview. Die Hamas sei bereit, sich an den Waffenstillstand zu halten, solange Israel dies auch tue, erklärte wiederum Hamas-Vizechef Khalil al-Haja.

Israelis trotz Raketenbeschuss gelassen
Die Zivilbevölkerung Israels gibt sich gelassen. Das tägliche Leben geht weiter, obwohl immer wieder Kampfjets der israelischen Luftwaffe über Tel Aviv und Jerusalem donnern, wie es während eines krone.at-Lokalaugenscheins in der Metropole immer wieder passiert. „Wir lassen uns von den Palästinensern nicht einschüchtern“, erklärt ein Passant, der ebenfalls eine Nacht voller Sirenengeheul hinter sich hat. Es ist die geübte Gelassenheit, die sich die Bewohner durch den jahrzehntealten Nahostkonflikt angeeignet haben.

Abwehrsystem „Eiserne Kuppel“ bewahrt Israel vor größerem Schaden
Anlass für die Luftangriffe im Gazastreifen war der Abschuss von rund 30 Mörsergranaten im Laufe des Dienstags auf Südisrael. Die meisten seien durch das Abwehrsystem „Eiserne Kuppel“ abgefangen worden. Drei israelische Soldaten wurden verletzt. Nach Angaben eines Armeesprechers explodierte eine Granate in der Nähe eines Kindergartens, der beschädigt worden sei. Kinder hielten sich dort nicht auf. Die Armee erklärte, einige der Raketen aus dem Gazastreifen stammten mutmaßlich aus dem Iran.

Auf Antrag der USA kommt am Mittwoch der UN-Sicherheitsrat zu einer Dringlichkeitssitzung wegen der palästinensischen Granatenangriffe auf Israel zusammen. „Der Sicherheitsrat muss Stellung beziehen zu der jüngsten Runde von Gewalt gegen unschuldige israelische Zivilisten“, erklärte die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley. Die Führung der Palästinenser müsse „zur Rechenschaft gezogen werden“.

Blutige Proteste entlang der Grenze zu Israel
Die Zunahme der Gewalt zwischen Israel und radikalen Palästinensern im Gazastreifen erfolgte nach wochenlangen Protesten und Zusammenstößen an der Grenze des Gazastreifens zu Israel. Seit Ende März versammeln sich dort Palästinenser, um gegen die Blockade des Gazastreifens zu demonstrieren. Sie fordern die Rückkehr der palästinensischen Flüchtlinge, die bei der Staatsgründung Israels vor 70 Jahren vertrieben wurden. Bei den Protesten wurden mindestens 121 Palästinenser getötet.

Richard Schmitt
Richard Schmitt
Gabor Agardi
Gabor Agardi

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