Di, 19. Juni 2018

Blutbad in Toronto

24.04.2018 12:56

„Er hat einfach einen nach dem anderen umgefahren“

Die Todesstrecke in Torontos Geschäftsviertel zieht sich über mehrere Kilometer - auf dieser Distanz hatte der 25-jährige Alek Minassian mit einem Lieferwagen zahlreiche Menschen niedergemäht, zehn von ihnen getötet, 15 weitere verletzt. Augenzeugen beschrieben fassungslos die blutigen Szenen: „Er hat einfach einen nach dem anderen niedergefahren.“ Am Dienstag wurde der 25-Jährige wegen zenfachen Mordes und versuchten Mordes in 13 weiteren Fällen angeklagt.

Ein Mann namens Ali schilderte sichtlich erschüttert, wie er die Amokfahrt des Kanadiers, der laut Behörden geistig verwirrt sein dürfte, miterlebt hat: „Er fuhr einfach auf den Gehsteig - und traf jede einzelne Person dort. Sogar die Busstation, wo die Scheiben zu Bruch gingen.“

Er habe auch einen Kinderwagen gesehen, der in zwei Teile gerissen worden sei. Das Baby habe er nicht gesehen, dafür aber das abgerissene Bein einer Frau. „Das war das Schlimmste“, so der Mann, der seine Tränen dann nicht mehr zurückhalten konnte. „Mann, es war ein Albtraum.“

Video: Kleintransporter rast in Toronto in Menschenmenge

„Er konnte sich nicht bewegen“
Steve Cortese sperrte die Straße für ein bewusstloses Opfer ab, um sicherzugehen, dass es nicht noch einmal überfahren werden würde. „Der Mann war bei Bewusstsein“, so Cortese, „aber er konnte sich nicht bewegen, seine Augen waren zu. Aber er dürfte es geschafft haben.“

„Er hupte, um so viele Menschen zu warnen, wie er konnte“
Ein weiterer Zeuge erzählte, wie ein Mann versucht habe, weitere Fußgänger zu warnen: „Er fuhr hinter dem Amokfahrer her und hupte, um damit so viele Menschen zu alarmieren, wie er konnte.“

„Ein alter Mann ist durch die Luft geflogen“
Der Täter sei in Schlangenlinien gefahren, sagte Amir Bahmeyeh dem „Toronto Star“. Er habe „einen alten Mann durch die Luft fliegen“ sehen. Die Menschen hätten um Hilfe geschrien und versucht, die Polizei in Richtung des Fahrers zu lotsen.

Freundin von IT-Mitarbeiterin neben ihr totgefahren
Michele Kelman, die in der Gegend bei einer IT-Firma arbeitet, wäre auf dem Rückweg vom Mittagessen fast von dem gemieteten Lieferwagen erfasst worden. Sie und ihre Freundin hätten hinter sich Schreie gehört und durch die Luft wirbelnde Gegenstände gesehen, sagte sie „Globe and Mail“. Der Wagen sei auf sie zugerast und habe dann ihre Freundin getötet. „Überall waren Leichen“, sagte Kelman.

„Er hat die Leben so vieler Menschen zerstört“, sagte Alex Shaker dem Sender CTV. „Alles, was ihm in den Weg kam." Laut einer Frau hätten viele dem 25-Jährigen zugerufen, dass er das Auto anhalten solle - „aber er tat es nicht und fuhr einfach weiter“.

„Geistig verwirrter Einzeltäter ohne Freunde“
Laut Polizei ist Minassian, der festgenommen werden konnte, geistig verwirrt und besuchte ein Highschool-Programm für Studenten mit besonderen Bedürfnissen.

Video zeigt die Festnahme des Amokfahrers:

Klassenkollegen beschrieben den 25-Jährigen, der „meist mit gesenktem Kopf und eng verschränkten Händen“ durch die Schule gegangen sei, als Einzelgänger, der „nicht sehr sozial“ sei und „eigentlich keine Freunde“ habe. Die Einschätzung „harmlos“ stellte sich am Montag allerdings als falsch heraus …

Wegen zehnfachen Mordes angeklagt
Am Dienstag wurde Minassian kanadischen Medienberichten zufolge wegen zehnfachen Mordes und versuchten Mordes in 13 weitefen Fällen angeklagt. Er erschien in einer weißen Häftlingsuniform mit den Händen hinter dem Rücken vor Gericht und zeigte Berichten zufolge wenig Emotionen. Der nächste Gerichtstermin soll in rund zwei Wochen stattfinden.

Heike Reinthaller-Rindler
Heike Reinthaller-Rindler

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