Sa, 26. Mai 2018

„Hatte keine Freunde“

24.04.2018 06:18

Todesfahrer von Toronto war „Einzelgänger“

Zehn Tote und 15 Verletzte - das ist die blutige Bilanz der Amokfahrt eines 25-jährigen Kanadiers in Toronto. Die Polizei identifizierte den Täter als Alek Minassian, einen Studenten des Seneca College in der Stadt, der wohl geistig verwirrt sei. Frühere Schulkollegen beschreiben Minassian als typischen Einzelgänger: „Er hatte keine Freunde.“ Auf einem Handyvideo ist zu sehen, wie der 25-Jährige nach der Tat von einem Polizisten gestellt wird. Mit einem dunklen Gegenstand in der Hand fuchtelt er herum und schreit: „Erschieß mich! Schieß mir in den Kopf!“

Minassian hatte den weißen Lieferwagen mitten im belebten Geschäftsviertel North York in eine Waffe verwandelt. Mit 60 bis 70 Stundenkilometern erfasste er Fußgänger, als er um die Mittagszeit von der Straße auf den Gehsteig fuhr und über rund 15 Straßenblocks hinweg immer wieder zwischen Straße und Gehweg wechselte.

Der Täter sei in Schlangenlinien gefahren, sagte Augenzeuge Amir Bahmeyeh dem „Toronto Star“. Er habe beobachtet, wie das Auto fünf oder sechs Menschen erfasste. „Ich sah einen alten Mann durch die Luft fliegen“, sagte Bahmeyeh. Die Menschen hätten um Hilfe geschrien und versucht, die Polizei in Richtung des Fahrers zu lotsen.

„Tat bedroht nicht die nationale Sicherheit Kanadas“
Kurze Zeit nach der Amokfahrt wurde Minassian festgenommen. Die Polizei gab bekannt, dass der Student den gemieteten Kleinbus „vorsätzlich in die Menschenmenge gesteuert“ habe. Die Tat bedrohe aber nicht „die nationale Sicherheit“ Kanadas, sagte der Minister für öffentliche Sicherheit, Ralph Goodale. Ein terroristisches Motiv wurde ausgeschlossen, Minassian war nie im Zusammenhang mit radikalen Gruppen aufgefallen.

„Überall waren Leichen“
Michele Kelman, die in der Gegend bei einer IT-Firma arbeitet, wäre auf dem Rückweg vom Mittagessen fast von dem Auto erfasst worden. Sie und ihre Freundin hätten hinter sich Schreie gehört und durch die Luft wirbelnde Gegenstände gesehen, sagte sie der „Globe and Mail“. Der Wagen sei auf sie zugerast und habe dann ihre Freundin tödlich getroffen. „Überall waren Leichen“, sagte Kelman.

„Er hatte keine Freunde“
Ehemalige Mitschüler beschreiben Minassian als zurückgezogen und „nicht sehr sozial“: „Er war nie bei einer Clique oder so dabei. Eigentlich hatte er keine Freunde“, sagte Ari Bluff, der mit Minassian die Thornlea Secondary School in Toronto besucht hatte, gegenüber dem Sender CBC. Auf der Gaming-Plattform Steam existiert ein Online-Profil unter dem Namen des Amokfahrers. Dort ist zu lesen: „Ich liebe ,Halo‘. Mein Lieblingsspiel ist ,Halo 3‘.“

Außerdem soll Minassian der Entwickler einer App für Android sein, die den Menschen in Toronto helfen soll, freie Parkplätze zu finden. Die App ist unter dem Namen „Toronto Green Parking Advisor“ via Google Play frei erhältlich.

Michaela Braune
Michaela Braune

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