Nach 60 Jahren

Wrack von Saint-Exupérys Flugzeug gefunden

Wissenschaft
07.04.2004 14:23
Ein Teil des Rätsels um Antoine de Saint-Exupéry (1900-1944) ist knapp 60 Jahre nach dem Todesflug des legendären französischen Flieger-Poeten gelüftet. Im Mittelmeer bei Marseille gefundene Wrackteile stammen von dem Flugzeug vom Typ Lightning 38, mit dem der Schöpfer des weltbekannten "Kleinen Prinzen" am 31. Juli 1944 zu einem militärischen Aufklärungsflug gestartet war. Das teilte das Amt für Unterwasser-Archäologie am Mittwoch in Marseille mit.
Nach dem Start von Borgo in Korsika aus wardie zweimotorige Maschine damals von den Radarschirmen der Alliiertenverschwunden - und tauchte nicht wieder auf. Dieses rätselhafteEnde schuf einen Mythos um den eigenwilligen Spross einer französischenGrafenfamilie und Verfasser von Werken wie "Nachtflug" und "Stadtin der Wüste".
 
"Ich hatte Tränen in den Augen"
Ein Wrackteil, das im Herbst 2003 nahe der InselRiou gefunden wurde, ist als Teil von Saint-Exupérys Maschinevom Typ Lightning P38 identifiziert worden. Jetzt sei gewiss,dass der Autor nach seinem Start in Nordkorsika über demMeer abstürzte, sagte der Konservator Patrick Granjean. Aufeinem aus dem Mittelmeer geborgenen Metallteil eines Turbo-Kompressorsstand die Ziffernfolge "2734". Und zu dieser Zahl gehörtnach den Unterlagen der US-Air Force die militärische Immatrikulationsnummer"42-68223" der Maschine von Saint-Exupéry. "Als mir dasklar wurde, hatte ich Tränen in den Augen", so erinnert sichPierre Becker. Er ist Chef des Bergungsunternehmens Géocéan,das mit modernster Technik geholfen hat, Wrackteile ans Lichtzu holen.
 
"Jetzt ist sicher, dass die Maschine von Saint-Exupéryin der Nähe der Insel Riou zwischen Marseille und Cassisabgestürzt ist", freut sich der Konservator. "Man weißaber nicht warum, und wahrscheinlich wird man das nie wissen."Nahezu sechs Jahrzehnte nach dem Flug ohne Rückkehr des Schriftstellersbleibt ein Teil des Rätsels also weiter ungelöst. Dieaus 70 Metern Tiefe ans Tageslicht geholten Wrackteile sind starkverbogen. Die Maschine müsse mit rasender Geschwindigkeitwie ein Stein vom Himmel gefallen sein, so meinen Experten. Wasvom Flugzeug übrig geblieben ist, das "verteilten" die Schleppnetzeder Fischer von Marseille über die sechs Jahrzehnte auf demMeeresboden.
 
Wortlos aufgebrochen
"Seit 20 Jahren habe ich nach der Maschine gesucht,die über den Alpen oder über dem Mittelmeer abgestürztsein musste", so berichtet der Taucher, Amateur-Historiker undLuftfahrtfan Philippe Castellano. Sein Verein hatte die Suchewesentlich vorangetrieben. Zu merkwürdig war das scheinbarspurlose Verschwinden Saint-Exupérys, der wortlos zu seinemletzten Flug aufgebrochen war. Am Abend davor war er spätzu seiner Aufklärungseinheit zurückgekehrt. Eigentlichwar er wegen seines Alters nur noch als Reserve für Flügeeingeplant, mit denen die alliierte Landung in der Provence vorbereitetwurde. Dann durfte Saint-Exupéry doch noch einmal fliegen- und kehrte nicht zurück.
 
Vor vier Jahren schon hatte es nach eingehendenRecherchen in deutschen Militärarchiven geheißen, einAbschuss der Maschine könne ausgeschlossen werden. War esalso ein Unfall? Gab es im Flugzeug ein Sauerstoffproblem? Oderhatte der 44-Jährige eine Herzattacke? Auch ein Selbstmordwegen privater Probleme gilt durchaus als möglich.
 
In demselben Seegebiet hatte 1998 ein Fischer einArmband mit einer Namensplakette des Autors gefunden. Die Echtheitdieses Fundes war jedoch umstritten gewesen. Zwei Jahre späterspürte ein Taucher ein Stück eines Leitwerks in derMeerestiefe auf. Doch erst im Herbst 2003 wurde offiziell erlaubt,an der Stelle nach Überresten der von Lockheed gebauten Maschinezu tauchen. Damit war der Weg dann frei, ein wenig Licht in Saint-ExupérysFlug ohne Wiederkehr zu bringen. Weil aber mysteriös bleibt,was der Grund für den Absturz war, dürfen die Legendenweiter sprießen.
 
Die märchenhafte Geschichte "Der kleine Prinz"zählt zu den meist verkauften Büchern der Welt. Seitseinem Erscheinen 1943 wurde es in 115 Sprachen übersetzt.
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