18.10.2009 18:08 |

Rache für Prozess

Berlusconi lässt Richter im TV verunglimpfen

Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi rächt sich neuerdings mit Verunglimpfungs-Reportagen an der italienischen Justiz. Von Mitarbeitern seines TV-Senders Canale 5 ließ er den Mailänder Richter Raimondo Mesiano mit versteckter Kamera filmen und den angeblich "extravaganten" Lebensstil des Richters anprangern.

In der von einer TV-Berufsanfängerin mit versteckter Kamera gedrehten Reportage ist der Richter beim Gang zum Friseur, beim Kettenrauchen und beim Sitzen auf einer Bank zu sehen. Zu den heimlich aufgenommenen Bildern liefert die bei Canale 5 mit einem befristeten Vertrag angestellte 29-Jährige den Kommentar. Da ist die Rede vom "extravaganten" Verhalten des Richters, und es wird auf Mesianos türkisfarbene Socken in weißen Schuhen verwiesen.

Der 18 Jahre lang als Nachrichtenchef bei Canale 5 tätige Enrico Mentana sagte der Zeitung "La Repubblica", der Beitrag habe "mit Journalismus nicht zu tun". Der Kandidat für den Vorsitz der oppositionellen Demokratischen Partei, Ignazio Marino, sprach von einer "schandhaften Vorgehensweise" und selbst Berlusconis Bündnispartner, der Minister für Vereinfachungen in der Gesetzgebung, Roberto Calderoli von der rechtsextremen Lega Nord, sprach von einem "Blödsinn" sondergleichen.

Richter verdonnerte Berlusconi zu 750-Mio.-Zahlung
Mesiano hatte Berlusconis Unternehmens-Holding Anfang Oktober in dem jahrzehntelangen Streit um die Kontrolle des Verlagshauses Mondadori zur Zahlung von 750 Millionen Euro an Carlo de Benedetti verurteilt, den Erzrivalen des Regierungschefs.

In seiner Urteilsbegründung hatte der Richter auf eine Mitverantwortung Berlusconis hingewiesen. 2007 hatte ein Gericht geurteilt, dass ein Richterspruch aus dem Jahr 1991, der Berlusconi Recht gab, "gekauft" worden war - wegen Verjährung wurde der Regierungschef nie dafür belangt. Berlusconi ist für seine Tiraden gegen die seiner Meinung nach "roten" Mailänder Richter bekannt.

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