Fr, 20. Juli 2018

Trotz Massenmorden

28.02.2018 14:34

USA: Pro Jahr 1,3 Mio. Schusswaffen aus Österreich

Mitte Februar hat ein jugendlicher Amokläufer an einer Highschool in Florida 17 Menschen erschossen und Dutzende weitere verletzt. Der Vorfall war der bereits 19. mit Schusswaffen an einer US-Schule im heurigen Jahr. Immer wieder kommen bei solchen Taten auch Produkte aus Österreich zum Einsatz, denn die Erzeugnisse von Firmen wie etwa Glock sind ein echter Exportschlager.

Laut einem Bericht des "Economist" ist der Anteil importierter Schusswaffen am US-Waffenmarkt von zehn Prozent anno 1980 auf bis zu 45 Prozent im Jahr 2007 rapide angestiegen, bevor er 2016 auf 33 Prozent absackte. Der Löwenanteil der insgesamt 3,7 Millionen Handfeuerwaffen, die 2016 in die USA eingeführt wurden, stammt aus Europa.

Allein der Waffenhersteller Glock, der mit der Glock 17 im Kaliber 9x19 die - laut eigenen Angaben - weltweit meistbenützte Behördenpistole produziert, hat 2016 nicht weniger als 1,3 Millionen Pistolen in die Vereinigten Staaten exportiert. Nicht zuletzt, weil die Glock 17, die als bestverkaufte Pistole der Welt gilt, wegen ihres geringen Gewichts, ihrer Zuverlässigkeit und der überdurchschnittlichen Magazinkapazität von 17 Schuss im Standardmagazin sehr beliebt ist.

Faustfeuerwaffen "made in Austria" äußerst beliebt
Nicht nur bei der Exekutive – zwei Drittel aller US-Polizisten sind mit Pistolen des Kärntner Herstellers, der im Bundesstaat Georgia auch eine Produktionsstätte hat, ausgerüstet –, sondern auch bei Amokläufern und Terrororganisationen wie etwa dem IS sind die Waffen "made in Austria" äußerst beliebt. Mit einem Marktanteil von 7,8 Prozent ist Glock mittlerweile der viertgrößte Player bei Faustfeuerwaffen am US-amerikanischen Markt.

Was laut "Economist" möglicherweise daran liegen mag, dass das Unternehmen mit Niederlassungen in Deutsch-Wagram (Niederösterreich) und Ferlach (Kärnten) – wie auch andere europäische Hersteller – die Waffenlobby-Organisation NRA (National Rifle Organisation) stärker umwirbt als die US-Firmen. Laut eigenen Angaben soll Glock der NRA alleine 2016 mehr als 100.000 Dollar (rund 81.000 Euro) zur Verfügung gestellt haben.

Jener NRA, die wohl der Schlüssel zu der zumindest aus europäischer Sicht unglaublichen Freizügigkeit ist, mit der in den USA mit Schusswaffen umgegangen wird. So darf in den meisten US-Bundesstaaten ein 18-Jähriger zwar keine Flasche Wein kaufen, kann aber problemlos eine halb automatische Waffe erwerben, die er mit wenigen Handgriffen und ein bisschen Geschick zu einer Maschinenpistole umbauen kann ...

Wie eine aktuelle Umfrage im Auftrag des Senders CNN zeigt, gibt es aber offenbar ein Umdenken: Die Unterstützung für ein schärferes Waffenrecht ist nach dem jüngsten Schulmassaker auf den höchsten Stand seit mehr als 20 Jahren gestiegen. Mittlerweile befürworten demnach bereits 70 Prozent der US-Amerikaner Gesetzesverschärfungen, im vergangenen Oktober waren es nur 52 Prozent gewesen.

Wilhelm Eder
Wilhelm Eder

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