30.09.2009 11:21 |

Eklat an Schule

Mitschülerinnen zünden Kopftuch von Muslimin an

Zwei Schülerinnen einer Grazer Caritas-Fachschule haben vergangene Woche während eines Klassenausflugs ein muslimisches Mädchen angegriffen und das Kopftuch der 15-Jährigen angezündet. Nicht nur in der betroffenen Lehranstalt, die eigentlich als Musterschule für Integration gilt, erregte der Vorfall großes Aufsehen - die beiden beschuldigten Mädchen wurden am Mittwoch der Schule verwiesen und angezeigt.

Die Direktorin habe diese Maßnahme ergreifen müssen, weil eine vereinbarte Entschuldigung der Mädchen vor versammelter Klasse nicht eingehalten worden sei. "Da das Ziel der Einsicht nicht erreicht werden konnte, blieb mir als letzte Konsequenz nur der Verweis", wird die Schulleiterin in einer Aussendung der Caritas zitiert.

"Persönliche Differenzen"
Die junge Muslimin war bei der Attacke nicht verletzt worden. "Das angesengte Tuch brannte nicht weiter", berichtete ein Caritas-Sprecher. Die Schulleitung habe erst am nächsten Tag durch die Mutter der Schülerin von dem Übergriff erfahren und zur Anzeige geraten, die auch erfolgte: Laut Polizei hat das Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung die Ermittlungen übernommen - vor allem, um das tatsächliche Motiv zu klären. Die Hintergründe sollen allerdings keine religiösen sein, die Schulleitung sprach von "persönlichen Differenzen".

Bei der Fachschule für wirtschaftliche Berufe der Caritas der Diözese Graz-Seckau handelt es sich um eine Schule, die sich Integration auf ihre Fahnen geschrieben hat. "Unser Lern- und Schulklima ist geprägt durch interkulturelles Miteinander, individuelle Förderung und die Bereitschaft, miteinander zu arbeiten. Akzeptanz und Wertschätzung untereinander sind uns wichtig", heißt es im Leitbild.

Hoher Anteil an Schülern mit Migrationshintergrund
Spannungen träten "natürlich immer wieder" auf, die Schule habe sich aber einen Namen dafür gemacht, dass diese Spannungen "konstruktiv bearbeitet und nicht unter den Tisch gekehrt werden", so der Sprecher Schmied über die Schule, die einen hohen Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund aufweist.

Reaktionen
Schulleiterin Evelyn Awad: "Gerade jetzt, wo viel über Gewalt von Jugendlichen diskutiert wird, wollen wir hier vor bestehenden Spannungen nicht kapitulieren, sondern aktiv an Lösungen arbeiten. Dies setzt natürlich voraus, dass die Beteiligten dazu auch bereit sind."

Caritas-Sprecher Harald Schmied: "Es ist ein Vorfall, der in seiner symbolischen Dimension und emotionalen Beleidigung für diese Schule sicherlich ein außergewöhnlicher ist. Spannungen treten natürlich immer wieder auf. Die Schule hat sich aber einen Namen dafür gemacht, dass diese Spannungen konstruktiv bearbeitet und nicht unter den Tisch gekehrt werden."

Sprecherin der Islamischen Glaubensgemeinschaft, Carla Amina Baghajati: "Der Vorfall muss als Weckruf verstanden werden. Wenn Schülerinnen das Kopftuch einer Klassenkameradin anzünden, sind alle roten Linien überschritten. Bedenklich stimmt, dass die muslimische Schülerin sich zunächst nicht den Lehrerinnen anvertraute. Sie hat wohl geahnt, dass sie ausgegrenzt und gemobbt werden würde."

Bildungssprecher der Günen, Harald Walser: "Gewaltprävention muss im Schulalltag verankert werden, das Lehrpersonal braucht dabei professionelle Unterstützung."

Symbolbild

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