31 zu 27 Stimmen

Bokova zur UNESCO-Generaldirektorin gewählt

Ausland
23.09.2009 20:09
Überraschung im Machtkampf um die Nachfolge von UNESCO-Generaldirektor Koichiro Matsuura: Im fünften Wahlgang ist am Dienstag die frühere bulgarische Außenministerin Irina Bokova zur neuen UNESCO-Chefin gewählt worden. Sie setzte sich in einer Kampfabstimmung mit 31 zu 27 Stimmen knapp gegen den umstrittenen ägyptischen Kulturminister Farouk Hosni durch. Wäre es bei dem Wahlgang nicht zu einer Entscheidung gekommen, dann hätte das Los entschieden - was in der Geschichte der UNO-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur bis dato noch nie vorgekommen ist.

Bokova wird damit die erste Frau an der Spitze der UNESCO. Ihre Wahl erfülle sie mit "großer Freude und einer großen Verantwortung", sagte sie und unterstrich, dass sie ihre Amtszeit mit einer Kultur von Dialog und Verständigung ausüben wolle. "Die UNESCO, das ist Toleranz", sagte die Diplomatin.

Bokova dankt Ferrero-Waldner
Bokova dankte EU-Außenkommissarin Ferrero-Waldner dafür, dass sie sich im Rennen um den UNO-Posten zurückgezogen hatte. "Ich bin sehr dankbar über ihren großzügigen Rückzug, der mir die Chance gegeben hat, diese Wahl zu gewinnen", sagte Bokova dem Sender "France 24" in einem am Mittwoch im Voraus veröffentlichten Interview.

Ferrero-Waldner sei "eine wunderbare Frau, eine Persönlichkeit", die zudem in ihrer Heimat Bulgarien wegen der Befreiung bulgarischer Krankenschwestern aus Libyen die höchste Auszeichnung erhalten habe, sagte Bokowa. Ferrero-Waldner habe sie unmittelbar nach der Wahl aus New York angerufen und ihr zu ihrem Sieg gratuliert.

Bestätigung der Wahl am 15. Oktober
Bokova muss nun am 15. Oktober von der UNESCO-Vollversammlung bestätigt werden, bevor sie den Japaner Matsuura an der UNESCO-Spitze ablöst. Die Übergabe des Amtes ist für den 15. November geplant. Bei der vierten Abstimmung am Montag hatten Bokowa und Hosni jeweils 29 Stimmen erhalten. Nach dem dritten Wahlgang hatte sich am Sonntag die österreichische EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner aus dem Rennen zurückgezogen, am Montag folgte ihr die Ecuadoranerin Ivonne Baki.

Frankreich und Israel loben Wahl Bokovas 
Israel hat die Wahl Bokovas begrüßt. Man sei überzeugt, dass die "erfolgreiche Kooperation" Israels mit der UNESCO fortdauern und sich noch verstärken werde, teilte das israelische Außenministerium am Dienstag mit. Das französische Außenministerium sagte Bokova seine Unterstützung zu und lobte sie als "engagierte und überzeugte Frau" mit "internationaler Erfahrung".

Enttäuschung in Ägypten
Ägyptische Intellektuelle reagierten bitter enttäuscht auf die Wahl und machten eine "jüdische Lobby" für das Ergebnis verantwortlich. Mohammed Salmawi, Präsident des Schriftstellerverbands, sagte AFP, erstmals sei die Wahl des UNESCO-Vorsitzes "politisch" verlaufen. Die "israelische Lobby" habe Aussagen Hosnis aus dem Kontext herausgezogen wiedergegeben, sagte er. Gaber Asfur, Chef des Übersetzungsdienstes im ägyptischen Kulturministeriums, sagte, Europa habe sich gegen die arabische Welt aufgelehnt. Von Seiten der Regierung in Kairo lag zunächst keine Reaktion vor.

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