26.12.2017 13:28 |

Bus-Drama in Moskau

Fahrgast: „Lenker handelte in böser Absicht“

Mitten im dichten Verkehr der russischen Hauptstadt ist ein Linienbus am Montag die Treppe zu einer Unterführung hinuntergefahren und hat etliche Fußgänger überrollt. Der Vorfall mit vier Toten und zahlreichen Verletzten gibt Rätsel auf. Viele Moskauer dachten in der ersten Schrecksekunde an einen Anschlag - doch die Polizei geht on einem Unfall aus. Ein Fahrgast allerdings belastet jetzt laut russischen Medien den Fahrer - der nach seiner Festnahme offenbar einen Schlaganfall erlitt.

Der Fahrer habe mit böswilliger Absicht gehandelt, berichteten russische Medien. Sie beziehen sich auf die Aussagen eines Fahrgasts. "Er schien ruhig zu sein", sagte der Mann demnach über den Lenker des Linienbusses. "Plötzlich, ohne Grund, trat er auf das Gas und fuhr auf das Trottoir." Er habe gedacht, der Bus hätte doch in jenen, der vor ihm an der Haltestelle stand, fahren können, oder in Bäume am Straßenrand. "Aber er fuhr absichtlich in die Unterführung."

Die Polizei nannte bislang als mögliche Unfallursachen technisches Versagen oder einen Fahrfehler. Der Fahrer wurde festgenommen. Wie das Staatliche Ermittlungskomitee mitteilte, sprach der 58-Jährige in einer ersten Vernehmung von einem Versagen der Bremsen. Er habe die Handbremse gelöst. Daraufhiin habe sich der Bus von selbst in Bewegung gesetzt, er habe ihn nicht mehr stoppen können

Fahrer mit Verdacht auf Schlaganfall im Spital
Am Dienstag wurde der Mann mit Verdacht auf einen Schlaganfall ins Krankenhaus gebracht. Ärzte erklärten ihn für nicht vernehmungsfähig. In den russischen Medien und im Internet zerbrachen sich zahlreiche Experten den Kopf, warum der Fahrer mit 30-jähriger Praxis den Bus nicht irgendwie zum Halten gebracht hatte.

Schauplatz des Vorfalls war der Kutusowski Prospekt, eine Hauptstraße im Westen der russischen Hauptstadt, an der ein viel besuchtes Einkaufszentrum und die U-Bahn-Station "Slawjanski Bulwar" liegen. "Ich ging die Treppe hinauf, und da raste der Bus donnernd an mir vorbei. Ich habe gar nicht verstanden, was passiert", sagte eine Augenzeugin namens Galina der Zeitung "Moskowski Komsomolez". "Jemand rief: 'Ein Terrorakt!', und alle waren in Panik. Ich bin zu dem Bus gelaufen. Es stank fürchterlich nach Benzin", erzählte ein Mann, der ebenfalls in der Unterführung war.

Moskau ist vor allem in den 2000er-Jahren immer wieder Schauplatz schwerer Anschläge gewesen. Im April dieses Jahres hatte ein islamistischer Selbstmordattentäter in der U-Bahn von St. Petersburg 14 Menschen und sich selbst in die Luft gesprengt. Die Verwaltung der russischen Hauptstadt ließ bis Dienstagfrüh den technischen Zustand von 8000 Bussen des öffentlichen Nahverkehrs überprüfen.

Als Zeichen der Trauer wurden Straßenfeiern und Aufführungen in Moskau für Dienstag abgesagt, einige wurden auf andere Tage verschoben. In der Woche vor Neujahr, dem wichtigsten Familienfeiertag im Jahr, machen viele Russen ihre Einkäufe. Die Straßen und Geschäfte sind deshalb voller Menschen wie in Deutschland in den Tagen vor Weihnachten. Über den Kutusowski Prospekt fährt oft auch Präsident Wladimir Putin von seiner Vorortresidenz in den Kreml.

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