03.09.2009 11:30 |

"Er stirbt"

Lockerbie-Attentäter Megrahi liegt im Sterben

Die Diskussion um die Freilassung des Lockerbie-Attentäters Abdel Bassit Ali Mohammed al-Megrahi könnte offenbar schon viel früher als erwartet durch dessen Tod überholt werden: Der Zustand des 57-Jährigen habe sich rapide verschlechtert, berichtete die britische "Times" am Donnerstag. "Die letzte Untersuchung war schlecht. Er stirbt", so der Bruder des 2001 verurteilten Attentäters.

Krebsspezialisten aus Europa seien nach Libyen eingeflogen worden, um Megrahi zu behandeln. Aktuelle Aufnahmen untermauern die Aussagen der Verwandten: Unser Bild links zeigt Megrahi bei seiner Rückkehr nach Libyen vor zwei Wochen, das Foto rechts zeigt Fernsehaufnahmen des britischen Channel 4 vom Sonntag.

Nach Einschätzung von Mohamed al-Megrahi wird sein Bruder keinen weiteren Monat überleben. Ein Sprecher des Krankenhauses, in dem Megrahi liegt, sprach von einem stark angegriffenen Immunsystem, das durch die Krebsbehandlung geschwächt wurde. 

Schottisches Parlament votierte gegen Justiz-Entscheidung
Am Mittwoch hatte das schottische Parlament die Freilassung Megrahis offiziell verurteilt. Justizminister Kenny MacAskill hatte in der Causa allein entscheiden dürfen und wurde dafür von 73 Abgeordneten für eine "falsche Entscheidung" scharf kritisiert. Nur 50 Volksvertreter unterstützten die Entscheidung vom 20. August, den an Prostatakrebs leidenden Attentäter freizulassen.

Die Regionalregierung hatte die Abstimmung anberaumt, um sich der Unterstützung des Parlaments zu versichern. Es sollte erklären, dass die Entscheidung "in Einklang mit den Prinzipien der schottischen Justiz" gestanden habe. Die Mehrheit stellte sich jedoch hinter einen von der Opposition eingebrachten Gegenentwurf. Die Entschließung hat nur symbolische Bedeutung, war jedoch ein peinlicher Rückschlag für die Regierung in Edinburgh.

Megrahi auf Jubel-Video bei Gaddafis Feier
Megrahi war bei seiner Rückkehr in Libyen wie ein Volksheld empfangen worden, was in Schottland mit scharfer Kritik beantwortet wurde. Während der Feiern zum 40. Jahrestag des Umsturzes durch Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi in Libyen in der Nacht auf Dienstag wurden die Hinterbliebenen der Opfer erneut provoziert: Eine Videosequenz während der prunkvollen Show zeigte den libyschen Ex-Geheimdienstler nach seiner Rückkehr aus Schottland an der Flugzeugtür, wie er Hand in Hand mit Gaddafis Sohn Saif al-Islam das Victory-Zeichen macht.

2001 zu lebenslanger Haft verurteilt
Die schottische Regierung hatte den todkranken Megrahi vor rund zwei Wochen begnadigt und in seine Heimat entlassen. Bei dem Anschlag auf eine Maschine der Linie PanAm über dem schottischen Ort Lockerbie im Dezember 1988 kamen 270 Menschen ums Leben. Megrahi wurde 2001 für die Tat lebenslang verurteilt. Er selbst hatte seine Schuld jedoch stets zurückgewiesen.

Die Regierung in London sah sich in den letzten Tagen vermehrt Vorwürfen ausgesetzt, dass hinter der als humanitär bezeichneten Freilassung handfeste Interessen an Ölgeschäften stehen könnten. Premierministers Gordon Brown erklärte zuletzt: "Es gab keine Verschwörung, kein Vertuschen, keine Doppelzüngigkeit, kein Ölgeschäft, keinen Einfluss auf schottische Minister und kein Versprechen an (den libyschen Staatsführer) Gaddafi."

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