Literat in Rage

“Ich Idiot kann das Land dann verteidigen”

Kärnten
16.08.2009 11:34
Josef Winkler hat am Samstagabend die Premiere seines Filmporträts "Der Kinoleinwandgeher" in Klagenfurt dazu genutzt, abermals lautstarke Kritik an den politischen Verhältnissen zu üben. So gerieten neben den Kärntner Zuständen auch der Dritte Nationalratspräsident Martin Graf sowie jene Polizisten, die auf zwei jugendliche mutmaßliche Einbrecher in Krems geschossen haben sollen, ins Visier des Autors.

Ausgehend von einer Kindheitserinnerung - es war kein Geld für Bücher vorhanden - geriet Winkler wie bei seiner Eröffnungsrede zum Bachmannpreis in Rage: "Man darf nicht vergessen, dass die Stadt Klagenfurt seit vier Jahrzehnten kein Geld für Bücher hat", erinnerte er an das Fehlen einer Stadtbibliothek. Dies sei einzigartig in Europa, zumindest der Bund könnte diesen Missstand beheben. Winklers Appell: Sollten die kritisierten Zustände in Kärnten andauern, sollten die Unzufriedenen auf die Straße gehen: "Wir wollen diesen Terror nicht mehr." Und passt es den Verantwortlichen nicht, "dann sollen sie abhauen. Dann sollen sie sich einen Hubschrauber buchen", so Winkler. "Es kommt bestimmt Besseres nach."

"Ich Idiot kann das Land verteidigen"
Dass die Provinz nicht in Kärnten endet, untermauerte der Autor mit zwei weiteren Beispielen aus dem Tagesgeschehen. Etwa dem, was "vor zehn Tagen im Land des Erwin P." geschehen sei, wo ein Polizist einen jugendlichen Supermarkt-Einbrecher in den Rücken geschossen haben soll. Und auch, dass Politiker anderer Fraktionen den Freiheitlichen Dritten Nationalratspräsidenten Graf - für Winkler ein "unglaublicher Kerl" - nichts entgegenzusetzen hätten, ist für den Autor, der auch außerhalb Österreichs darauf angesprochen wird, unverständlich - "und ich Idiot kann das Land dann verteidigen".

"Kärnten dürfte ein guter Sumpf für Literaten sein"
Weniger war Winkler zum Film selbst zu entlocken gewesen: "Ich habe gesagt, ich möchte keinen Tanz ums goldene Kalb", meinte der Autor in aller Bescheidenheit. Ein zuerst wesentlich kürzer geplantes Projekt sei zu einem abendfüllenden Film ausgewachsen. Auch Regisseur Pfeifenberger hatte nur wenig zu seinem Werk hinzuzufügen. Eine zuerst geplante Verfilmung der Novelle "Natura morta" habe sich als "sehr schwierig" erwiesen. "Aber da ich so ein Fan bin, dachte ich mir, wir müssen ein Porträt über ihn machen." Und: "Kärnten dürfte ein guter Sumpf für Literaten sein."

Eher unpolitisch hatte das Rahmenprogramm zur Uraufführung des 85-minütigen Kino-Porträts im Burghof, wo derzeit das Open-Air-Kino beheimatet ist, begonnen: Mit Rezitationen Winklers und H. C. Artmanns sowie Drafi Deutschers Schlager "Marmor, Stein und Eisen bricht".

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