Führungswechsel
Däne Rasmussen übernimmt NATO-Chefposten
Der 61 Jahre alte de Hoop Scheffer hatte den Posten seit Jänner 2004 inne. Seitdem ist das nordatlantische Verteidigungsbündnis von 19 auf 28 Mitglieder angewachsen. Neben der unproblematischen Eingliederung der Neumitglieder – zuletzt Kroatien und Albanien – sah der Niederländer seine Hauptaufgaben unter anderem in der Vermittlung zwischen Europa und den USA – die der "Kampf gegen den Terror" entzweit hatte – sowie zwischen der EU und der NATO.
Fokus weiterhin auf Afghanistan
Auch innerhalb der NATO musste de Hoop Scheffer im Streit um die Lastenteilung in Afghanistan immer wieder die Wogen glätten. Deutschland etwa steht in der Kritik, seine Soldaten aus den am heftigsten umkämpften Gebieten fernzuhalten. Afghanistan bleibt daher die brennendste Herausforderung auch für den neuen zivilen NATO-Chef. Dort leitet die NATO die internationale Schutztruppe ISAF mit 64.500 Soldaten und muss in den nächsten Wochen die Präsidentenwahlen sichern. Außerdem rechnen Experten mit einer Herbstoffensive der radikalislamischen Taliban.
Mit Blick auf den Konflikt in Afghanistan trat der neue NATO-Generalsekretär indes für Verhandlungskontakte der Allianz mit radikalislamistischen Taliban-Gruppen ein. Der Kopenhagener Zeitung "Politiken" sagte Rasmussen: "Es gibt unter den Taliban Gruppen, mit denen man bei dem Versuch, Versöhnung in Afghanistan zu schaffen, sprechen kann." Es sei aber auch klar, dass es einen harten Kern gebe, der nur Respekt vor militärischer Macht habe und für Vereinbarungen nicht infrage komme.
Der frühere dänische Regierungschef Rasmussen wird sich zum Auftakt seiner Amtszeit auch dem Kampf gegen die Seeräuberei vor dem Horn von Afrika sowie dem Konflikt mit Russland um den von Georgien und der Ukraine angestrebten NATO-Beitritt der beiden ehemaligen Sowjetrepubliken stellen müssen.
Personalien vorerst wichtiger
Zunächst wird Rasmussen jedoch ohnehin mit Personalien befasst sein: Die Franzosen nämlich sind in die integrierten Militärstrukturen der NATO zurückgekehrt, jetzt müssen Hunderte von Posten neu- oder umbesetzt werden. Eine wichtige Personalie hat die NATO bereits am Donnerstagabend verkündet: Der französische General Stephane Abrial wird neuer Oberkommandierender der für strategische Fragen zuständigen Kommandoabteilung – bisher hatte ein Amerikaner diesen Posten inne.
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