"Opernball-Bande"

Sieben Jahre Haft für “Lady Boss”

Österreich
05.06.2009 15:38
Mit mehrjährigen Haftstrafen ist am Freitag im Wiener Straflandesgericht der Prozess gegen zwei Köpfe der sogenannten "Opernball-Bande" zu Ende gegangen. Auf das Konto der Bande sollen 290 Einbrüche bei Prominenten und Reichen gehen. Eine 37-jährige Frau, die in der aus Serbien stammenden Tätergruppe als "Lady Boss" fungiert haben dürfte, wurde zu einer siebenjährigen Haftstrafe verurteilt. Ihr wurden 75 Einbruchsdiebstähle mit einem Schaden von 675.000 Euro zugerechnet.

Ein 49-jähriger Mann fasste für 20 Einbrüche, bei denen Bargeld und Wertsachen in der Höhe von 250.000 Euro erbeutet wurden, fünf Jahre Haft aus. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig, die Angeklagten meldeten jeweils Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung an.

Nach Ansicht der Sicherheitsbehörden gingen rund 290 Einbrüche mit einem Gesamtschaden von fast drei Millionen Euro auf das Konto der "Opernball-Bande". Zu den Opfern zählten betuchte Anwälte, Ärzte und illustre Wirtschaftstreibende wie etwa ein Spross aus der vormals höchst angesehenen Meinl-Dynastie. Prominente Einbruchs-Opfer waren Helene von Damm, die ehemalige US-Botschafterin in Wien, der Schauspieler Karl-Heinz Hackl und der Regisseur Peter Patzak, dem unter anderem sein Laptop mit einem bisher unveröffentlichten Drehbuch abhandenkam.

Auf Villen in Nobel-Lagen "spezialisiert"
Über zwei Dutzend Mitglieder gehörten der hierarchisch strukturierten und perfekt organisierten Bande an, die nach monatelangen Ermittlungen kurz vor dem diesjährigen Opernball in Wien zerschlagen werden konnte. Die Kriminellen hatten sich vor allem auf Villen in Nobel-Lagen "spezialisiert". Knapp ein halbes Dutzend der professionellen Langfinger wurde bereits vor einigen Monaten zu mehrjährigen Freiheitsstrafen abgeurteilt, die meisten konnten sich allerdings vor der drohenden Festnahme ins Ausland absetzen.

Auch der Ehemann der am Freitag abgeurteilten 37-Jährigen ist flüchtig, der ganz an der Spitze der Bande gestanden haben dürfte. Doch auch seine "bessere Hälfte" leistete nach Ansicht des Schöffensenats einen wesentlichen Beitrag zu den kriminellen Machenschaften. 

Beweislage "erdrückend"
"Sie sind mit ihrem Audi herumgefahren und haben Tatorte gesucht. Und dann haben Sie die Tatorte ausspioniert und Aufpasserdienste geleistet", stellte die Richterin in der Urteilsbegründung fest. Die Beweislage sei "erdrückend", bemerkte die Vorsitzende. Die Angeklagte hatte lediglich zugegeben, bei rund zehn Einbrüchen "Schmiere" gestanden zu haben.

Die Polizei konnte bei ihr allerdings mehrere Mobiltelefone sicherstellen, darunter ein sogenanntes Tatort-Handy, das ausschließlich bei Einbrüchen verwendet wurde. Umfangreiche Telefonüberwachungs-Protokolle legten nahe, dass die Frau eine bedeutsame Rolle bei der Abwicklung der verbrecherischen Geschäfte innehatte. Für Alexander Philipp, den Verteidiger der 37-Jährigen, waren die sichergestellten Handys keine schlüssigen Beweismittel: "Die Tatsache, dass ein Handy an einem Tatort eingeloggt war, beweist noch nicht, dass es von meiner Mandantin verwendet worden ist."

"Hört jetzt zu weinen auf!"
Die Frau machte nach der Urteilsverkündung einen abgebrühten, äußerst smarten Eindruck. Als einige ihrer minderjährigen Töchter, die die Verhandlung als Zuhörerinnen verfolgt hatten, angesichts der über ihre Mutter verhängten Haftstrafe in zerknüllte Taschentücher schluchzten, forderte die Frau: "Hört jetzt zu weinen auf!" Dann umarmte sie die Mädchen und erteilte Anordnungen, was in der kommenden Woche zu geschehen habe und wann sie von ihnen besucht zu werden wünsche.

Die 37-Jährige dürfte ebenso wie ihr älterer Komplize seit geraumer Zeit ihren Lebensunterhalt mit Einbrüchen bestritten haben. Zuletzt hatte sie dreieinhalb Jahre in einem Schweizer Gefängnis verbracht. Der 49-Jährige hat bereits zehn einschlägige Vorstrafen auf dem Kerbholz. Er hatte ein einziges der ihm angelasteten Fakten zugegeben.

Symbolbild

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Österreich
05.06.2009 15:38
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung