So, 22. Juli 2018

Überall Differenzen

20.05.2009 21:02

Kein Durchbruch bei EU-China-Gipfel in Prag

China und die EU bleiben auf Distanz: Bei einem Gipfeltreffen in Prag haben China und die Europäische Union ihren Streit in zahlreichen politischen Fragen nicht beilegen können. Zum Abschluss des Gipfels, bei dem der tschechische Präsident Vaclav Klaus als Gastgeber und Vorsitzender fungierte, wies der chinesische Regierungschef Wen Jiabao jede Einmischung der EU in "innere Angelegenheiten" seines Landes schroff zurück.

Zu zahlreichen Fragen - von Menschen- und Minderheitenrechten über die Krisenherde Burma und Sri Lanka bis hin zur Öffnung für Investitionen und die Bekämpfung der Produktpiraterie - konnten sich EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso und Wen Jiabao nicht auf gemeinsame Formulierungen einigen. Anstelle einer von der EU vorgeschlagenen neunseitigen gemeinsamen Erklärung veröffentlichten die beiden Delegationen lediglich eine 44 Zeilen lange Presseerklärung. Bei der gemeinsamen "Pressekonferenz" im Amtssitz des tschechischen Präsidenten waren den Journalisten keine Fragen erlaubt.

China wegen Sarkozy-Treffen mit Dalai Lama beleidigt
China hatte den ursprünglich bereits für Dezember vergangenen Jahres geplanten Gipfel abgesagt, weil sich Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy mit dem Dalai Lama getroffen hatte. Ohne Sarkozy namentlich zu erwähnen, sagte Wen Jiabao, in der strategischen Zusammenarbeit zwischen China und der EU sei es "am wichtigsten, das Prinzip des wechselseitigen Respekts und der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten des anderen zu achten".Es gehe darum, "die wichtigsten Sorgen der anderen Seite zu verstehen und die empfindlichen Fragen korrekt zu behandeln, damit unsere bilateralen Beziehungen nicht durch einzelne Zwischenfälle nachteilig beeinflusst werden".

EU und China gemeinsam gegen Wirtschaftskrise
Dennoch sprach EU-Kommissionspräsident Barroso wiederum von einer "starken Beziehung" der beiden Politgewichte: "Es ist vorherbestimmt, dass wir diese starke Beziehung im nächsten Jahrzehnt noch stärker ausbauen". Einvernehmen war lediglich in der Frage der Reaktion auf die Wirtschafts- und Finanzkrise zu erkennen. Barroso lobt die chinesische Antwort auf die Krise und forderte: "Die EU und China müssen beide von weiterer Liberalisierung profitieren." "In dieser Frage sind unsere Interessen die gleichen", sagte Wen. "Es ist wichtig für uns, gemeinsam zu arbeiten, um den Sturm gemeinsam zu überstehen und zu einer Erholung beizutragen." Er kündigte an, China werde in Kürze eine Delegation in die EU schicken, um dort Bestellungen in größerem Umfang vorzunehmen. Er forderte erneut eine Aufhebung des EU-Waffenembargos gegen China und "eine Lockerung der Restriktionen für die Ausfuhr von Hochtechnologie nach China".

Differenzen "in praktisch allen Fragen"
Wen Jiabao sagte, der Gipfel habe "geholfen, unser wechselseitiges Vertrauen zu stärken und unsere Beziehungen zu vertiefen". Tatsächlich hatten Delegationen der EU und Chinas wochenlang an einer ausführlichen gemeinsamen Erklärung gearbeitet. Bei dem Gipfel gelang es jedoch nicht, die tiefgreifenden Meinungsunterschiede zu beseitigen. EU-Diplomaten sagten, es gebe "wesentliche Differenzen in praktisch allen politischen Fragen". So lehnte Peking einen Passus ab, in dem eine friedliche Lösung des Konflikts zwischen China und Taiwan gefordert wird. Auch eine Verurteilung der Raketentests Nordkoreas wies China zurück. Während die EU die Regierung in Burma zu einem "wirklichen Dialog mit allen Seiten" und zur Freilassung von Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi auffordern wollte, wollte China sich auf die Hoffnung beschränken, dass die Regierung Burmas "den Dialog mit allen Seiten fortführt und Demokratisierung und Aussöhnung fördert".

In der kurzen und knappen Presseerklärung zum Abschluss des Prager Gipfels hieß es lediglich, beide Seiten hätten über diverse internationale und regionale Fragen gesprochen und seien entschlossen "Koordination und Zusammenarbeit in internationalen Fragen zu verbessern".

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