Morgens bist du einer der Ersten im Büro. Und abends, wenn alle anderen schon zu Hause sind, blühst du erst so richtig auf. Auf deinem Schreibtisch türmen sich Aktenberge, du bist Anlaufstelle Nummer eins, egal wofür oder für wen. Deine Überstundenliste – endlos! Und manchmal nimmst du dir sogar Arbeit mit nach Hause. Die Diagnose ist klar: Du bist ein Workaholic. Und das kann längerfristig zu einem ernsten Problem werden – für dich, deine Familie und auch dein berufliches Umfeld. Wie du der Arbeitssucht entkommst, das erfährst du hier.
Die Ursachen
Immer mehr Menschen erkranken an Arbeitssucht. Die Gründe: Ehrgeiz, übertriebenes Pflichtgefühl, Perfektionismus, private Probleme, aber nicht zuletzt auch Angst um den eigenen Arbeitsplatz. Echte Workaholics finden nur noch in ihrem Job Bestätigung und Sinnhaftigkeit. Alles andere hat kaum mehr Bedeutung, alles dreht sich um die Arbeit. Hier holen sie sich jene Bestätigung, die sie von ihrem Privatleben nicht bekommen. Gefährdet sind vor allem Menschen, deren Job hohes Engagement verlangt: Selbständige, Angestellte in leitenden Positionen, Manager, aber auch Menschen in sozialen Berufen, die sich selbst sehr intensiv einbringen. Besonders gefährlich sind Situationen, in denen man glaubt, noch mehr als bisher geben zu müssen: Berufseinstieg, Jobwechsel oder nach einer Beförderung. Dabei muss jedoch nicht immer Angst vor dem Jobverlust im Vordergrund stehen, auch das unbedingte Bedürfnis, den Erwartungen gerecht zu werden oder eine Entscheidung zu bestätigen, sind Auslöser für Arbeitssucht.
Die Auswirkungen sind dabei vielfältig: Ständige Unruhe und Rastlosigkeit, das Unvermögen, auch einmal abzuschalten und nichts zu tun, können zunächst zu körperlichen Beschwerden führen, wie z.B. Erkältungskrankheiten, die scheinbar nicht enden wollen, oder Schwäche-Erscheinungen. Auch Kopfschmerzen, Muskelverspannungen, Rückenschmerzen usw. können auftreten. All das kann in weiterer Folge auch zu einem Burnout-Syndrom führen. Ganz zu schweigen von den Auswirkungen auf das Privatleben. Durch den chronischen Zeitmangel brechen Familie und Freunde langsam weg, am Ende steht der Workaholic alleine da. Aber meist kann in dieser Situation auch aus dem Job keine Zufriedenheit mehr gewonnen werden, da es aufgrund des großen Drucks zu Leistungsschwächen kommt. Der Betroffene schafft sein selbst auferlegtes Arbeitspensum nicht mehr, vergisst Verpflichtungen, versäumt Termine und ist immer öfter krank. Und dann droht im schlimmsten Fall die Kündigung.
Die ersten Anzeichen
Arbeitssucht äußert sich zunächst in Kleinigkeiten. Es werden immer mehr Überstunden aufgebaut. E-Mails werden zu Uhrzeiten verschickt, die sehr ungewöhnlich sind: früh morgens oder spät abends. Immer wieder passieren Flüchtigkeitsfehler. Man kann sich nicht mehr an die Erledigung gewisser Aufgaben oder Termine erinnern, obwohl man diese nachweislich gemacht hat. Der gefühlte Druck und die Hektik bei der Arbeit nehmen zu. Dieser Druck wird schließlich auf Kollegen oder Mitarbeiter sowie das private Umfeld übertragen.
Hilfe!
Meist bemerken die Betroffenen diese Anzeichen nicht selbst. Fällt dir dieses Verhalten an einem Kollegen oder Mitarbeiter auf, dann solltest du ihn auf sein Verhalten ansprechen, eventuell auch einen Vorgesetzten informieren. Dabei solltest du sehr feinfühlig vorgehen, denn die wenigsten Betroffenen empfinden ihr Verhalten als problematisch. Biete deine Unterstützung an bzw. frage, wie du helfen kannst.
Erkennst du selbst, dass du arbeitssüchtig bist, dann kannst du versuchen, dich selbst zu überwachen. Kontrolliere bewusst deine Arbeitszeiten und deine Stundenanzahl. Scheue dich nicht davor, auch einmal Nein zu sagen oder Teile deiner Arbeit zu delegieren. Auch musst du versuchen, deinen Perfektionismus in den Griff zu bekommen: Denn 80 Prozent deiner Leistung sind noch immer gut genug. Weiters gilt es, dein Privatleben wieder zu reaktivieren. Verbringe mehr Zeit mit deiner Familie und mit Freunden, suche dir Hobbys. Und achte darauf, wenigstens zwei Drittel deines Jahresurlaubs auch tatsächlich zu konsumieren – regelmäßige Auszeiten sind wichtig. Kommst du alleine mit deinem Problem nicht zurecht, dann scheue dich auch nicht, therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen, denn meist ist Arbeitssucht der Ausdruck eines tieferliegenden Problems.
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