Dramatische Lage

Bevölkerungszahl in der Karawankenregion sinkt

Kärnten
20.04.2009 13:38
Der wirtschaftliche und demografische Niedergang der Karawankenregion konnte auch von der Öffnung der kärntnerisch-slowenischen Grenze nicht gebremst werden. Bis zu 30 Prozent ist die Bevölkerungszahl in den abgelaufenen Jahrzehnten in den Grendgemeinden zurückgegangen. "Der Grenzraum auf beiden Seiten entvölkert sich sehr dramatisch", sagt der Kärntner Wirtschaftsexperte und Unternehmer Felix Wieser. Es gebe "keine Konzepte für diese Regionen", obwohl sie dank Wald- und Wasserreichtum über große Ressourcen verfügen und die unberührte Umwelt auch Chancen für den Tourismus bieten würde.

Wieser verweist auf Statistiken, die einen Besorgnis erregenden Bevölkerungsrückgang in vielen Grenzgemeinden zeigen. Bis zu 30 Prozent betragen die Rückgänge seit den 1970er Jahren, und wer an eine Trendumkehr durch die EU-Integration Sloweniens glaubt, täuscht sich. In Neuhaus, Zell oder Eisenkappel ging die Bevölkerungszahl zwischen 2001 und 2008 jeweils um ein weiteres Zehntel zurück.

Auf der anderen Seite der Grenze sieht es nicht viel besser aus. Die Gemeinde Crna etwa verbuchte im gleichen Zeitraum einen Bevölkerungsrückgang um sieben Prozent, die Gemeinde Solcava um gut fünf Prozent.

Grund dafür sei die Unfähigkeit zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit auf beiden Seiten. Wichtigstes Hindernis auf slowenischer Seite sind fehlende Verwaltungsstrukturen. "Wir würden viel leichter kooperieren, wenn es in Slowenien Regionen gäbe", sagt Bernard Sadovnik, dessen "Alpe Adria Zentrum für Grenzüberschreitende Zusammenarbeit" (AACC) Unternehmern und Gemeinden bei Kooperationsobjekten unter die Arme greift.

"Desination Südalpen" als Ausweg?
Die Zusammenarbeit seo bisher viel zu punktuell und zu wenig konkret gewesen. Als Beispiel nennt Sadovnik den Tourismusbereich, wo man einen großen Wurf wagen und gemeinsam als "Destination Südalpen" auftreten sollte. "Wegen Globasnitz oder Mezica wird niemand zu uns kommen", sagt der Unternehmensberater.

Vorbehalte gegen Slowenien geortet
Auf Kärntner Seite sehen Sadovnik und Wieser immer noch politische Vorbehalte gegen eine umfassende Zusammenarbeit mit Slowenien. Die Zeiten seien vorbei, als man sich mit Zähnen und Klauen gegen Investitionen aus dem damaligen kommunistischen Slowenien sträubte. "Heute ist jeder Ort froh, wenn sich jemand ansiedelt", sagt Sadovnik.

Doch laut Wieser fürchtet sich immer noch so mancher Kärntner Bürgermeister, er würde Stimmen einbüßen, "wenn er sich zu sehr in Richtung Zusammenarbeit exponiert". "Wir können nicht erwarten, dass sich jetzt alles über Nacht ändert, nur weil Österreich und Slowenien gemeinsam in der EU sind", sagt Sadovnik.

Klein- und Mittelbetriebe als Chance
Die wirtschaftliche Zukunft der Grenzregion beruht auf Klein- und Mittelbetrieben, sind sich die beiden Experten einig. "Diese Betriebe sind das Rückgrat der Wirtschaft, und den kleinen gelingt es auch eher, sich durch Wirtschaftskrisen durchzuschwindeln", sagt Wieser. Zumindest auf slowenischer Seite sei das Interesse für grenzüberschreitende Kooperation enorm.

Allein zwischen Jänner und März habe der Klagenfurter "Slowenische Wirtschaftsverband" (SGZ) Anfragen von 50 Unternehmern erhalten, die in Kärnten tätig sein wollen, berichtet der SGZ-Funktionär Wieser. "Wir werden von denen überrollt."

Sadovnik: Viele Gewerbetreibende "jammern lieber"
Auch Sadovnik spricht sich dafür aus, dass Gewerbetreibende aus Kärnten und Slowenien aktiv kooperieren. "Wenn sich etwa zwei gute Tischler zusammenschließen, haben beide einen Nutzen davon", versucht der AACC-Direktor die Angst vor den angeblichen slowenischen Billiganbietern zu zerstreuen und verweist auf einen Solaranlagen-Installateur aus Globasnitz, der bereits mehr Umsatz in Slowenien macht als in Kärnten. Statt seinem Beispiel zu folgen, würden viele Gewerbetreibende in der Kärntner Grenzregion aber "lieber jammern", kritisiert Sadovnik.

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