Alle in Sicherheit

Flugzeugentführung auf Jamaika unblutig beendet

Ausland
20.04.2009 16:23
Knapp acht Stunden bangten mehr als 180 Menschen auf dem Flughafen Montego Bay im Karibik-Urlaubsparadies Jamaika um ihr Leben, dann war das Geiseldrama beendet. Der Täter, ein offensichtlich geistig verwirrter Jamaikaner, hatte eine Maschine der kanadischen Fluglinie CanJet Airlines am Sonntagabend mit vorgehaltener Waffe in seine Gewalt gebracht.

Der Sangster International Airport wurde von einem massiven Polizeiaufgebot abgeriegelt. Der Vater des Geiselnehmers half offenbar dabei, seinen Sohn zur Aufgabe zu überreden. Verletzt wurde bei dem Geschehen niemand.

Der Flug "918" kam aus Halifax, Kanada, und sollte von Montego Bay am Sonntag gegen 23.30 Uhr Ortszeit nach Santa Clara auf Kuba und dann zurück nach Kanada fliegen. An Bord der Boeing 737 befanden sich 174 Passagiere - alle aus Kanada - und acht Crew-Mitglieder, wie CanJet-Vizepräsident Kent Woodside berichtete. 

Schüsse an Bord der Maschine
In der Nacht meldete die Polizei, der Geiselnehmer habe alle Passagiere und zwei der acht Crew-Mitglieder freigelassen. Zunächst gab es Berichte, der Kidnapper, ein Mann im Alter von 20 bis 30 Jahren aus Montego Bay, habe den Piloten erschossen. Das bewahrheitete sich nicht. Es sollen aber Schüsse an Bord der Maschine gefallen sein.

Entführer stellte unsinnige Forderung
Was den Jamaikaner zu der Tat trieb, blieb zunächst unklar. Informationsminister Daryl Vaz sagte: "Seine Forderung war es, nach Kuba zu fliegen." Doch Kuba war ohnehin das nächste Ziel der Maschine. Einige Passagiere berichteten, der Kidnapper habe ihnen Geld abgenommen. 

Der Täter, dessen Namen die Polizei mit Steven F. angab, hatte offensichtlich bereits im Terminal Flughafenpersonal mit der Waffe bedroht. Er konnte aber nicht gestoppt werden, weil es dort keine bewaffneten Sicherheitskräfte gab. Es sei nicht üblich, dass sich bewaffnete Sicherheitsbeamte im Terminal selbst aufhielten, sagte ein Flughafenmanager.

Kanadas Präsident Harper war vor Ort
Die Geiselnahme dürfte auch von Kanadas Präsident Stephen Harper mit großer Sorge aufgenommen worden sein. Harper war just zu dem Zeitpunkt, als der Kidnapper sich Zugang zur Boeing verschaffte, in Jamaikas Hauptstadt Kingston zu einem Arbeitsbesuch eingetroffen.

CanJet-Airlines-Vizepräsident Woodside zeigte sich wenige Minuten nach dem unblutigen Ende der Geiselnahme "sehr erleichtert". Es sei bereits eine CanJet-Maschine auf dem Weg nach Montego Bay, um die Passagiere entweder nach Kuba oder zurück nach Kanada zu bringen. Jamaika wird jährlich von 2,5 Millionen Urlaubern besucht. Der Tourismus ist eine der Haupteinnahmequellen der Insel. Minister Vaz sagte, es gebe keinen Grund zur Beunruhigung. Die Tat sei lediglich die eines Verwirrten gewesen.

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