Kurioser TV-Prozess
Papst “schuldig”, “Freispruch” für Bin Laden
Bei der ersten "Verhandlung" wurde Terroristenführer Osama Bin Laden von dem Vorwurf freigesprochen, hinter den Anschlägen vom 11. September 2001 zu stecken. Im folgenden "Prozess" wurde gegen Papst Benedikt XVI. ein Schuldspruch gefällt. Begründung: Mit seinen jüngsten Äußerungen über den Gebrauch von Kondomen sei das Kirchenoberhaupt verantwortlich für die Verbreitung des HI-Virus und den Tod von Millionen Menschen.
Die Gerichtsshow startete vergangene Woche. Der Beschuldigte sitzt dabei virtuell auf der Anklagebank. Als "Beweise" werden unter anderem Filmaufnahmen, Fotos und Medienberichte herangezogen. Verteidiger Gerard Spong ist einer der berühmtesten und bestbezahlten Anwälte der Niederlande. Während der 35-minütigen Verhandlung gelang es Spong, die Geschworenen von der "Unschuld" Bin Ladens im Fall der Anschläge vom 11. September zu überzeugen.
Papst Benedikt XVI. hatte weniger Glück als der Terrorfürst
In der zweiten Verhandlung hatte der Staranwalt weniger Erfolg. Gegen seinen "Mandanten" Benedikt XVI. lagen gleich drei Anklagepunkte vor. Neben seiner Verantwortung für die Aids-Ausbreitung wurden dem Papst auch "Legitimierung des Antisemitismus" - weil er sich nicht sofort vom Holocaust-Leugner und Lefebvre-Bischof Richard Williamson distanziert habe - und schließlich die Diskriminierung von Frauen und Homosexuellen zur Last gelegt. Untermauert wurde die Anklage mit Bildern des Papstes vor einem Hakenkreuz sowie Aufnahmen von KZ-Häftlingen und sterbenden Afrikanern.
Spong führte bei seinem Plädoyer ins Feld, dass sich die Kirche um Aids-Kranke kümmere und gegen deren Diskriminierung kämpfe. Auch stimme es nicht, dass Frauen und Schwule von ihr diskriminiert würden, zumal auch Frauen heiliggesprochen werden könnten. Zudem sei das populärste Kirchenlied "Ave Maria". Die Geschworenen konnte der Advokat aber nur in einem Punkt überzeugen: Dass sich der Papst über die Ansichten Williamsons zum Holocaust nicht bewusst gewesen sei. In den beiden anderen Punkten lautete das Verdikt auf schuldig.
Gerichtsshow läuft noch bis zum 13. Mai
Die Gerichtsshow soll bis zum 13. Mai weitergehen. Neben Staranwalt Spong treten in ihr auch der Journalist Aad van den Heuvel und der belgische Theologieprofessor Jean-Pierre Wils auf, letzterer war wegen der Williamson-Affäre aus der Kirche ausgetreten. Die Macher der Sendung von der Produktionsfirma Palm Plus glauben an den Erfolg ihres Formats und hoffen auf Käufer der Rechte aus Skandinavien und Großbritannien.
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