Amoklauf in Heim

Blutbad mit acht Toten in US-Pflegeheim

Ausland
30.03.2009 11:00
Ein 45-jähriger Amokläufer hat am Sonntag in einem Pflegeheim im US-Staat North Carolina sieben teils hochbetagte Patienten und einen Pfleger erschossen. Vier weitere Menschen wurden bei dem Blutbad in der kleinen Gemeinde Carthage verletzt, darunter ein Polizist und der Schütze selbst. In den USA löste das grausame Verbrechen an hilflosen Senioren und ihrem Betreuer großes Entsetzen aus. Über das Motiv des Schützen herrschte zunächst noch Unklarheit: Nach Behördenangaben war keine Verbindung zwischen ihm und dem Heim bekannt - weder war er dort angestellt, noch hat er einen Angehörigen in Pflege.

Erst am 10. März hatte ein Mann an einer Tankstelle im US-Bundesstaat Alabama zehn Menschen getötet, bevor er selbst von der Polizei getötet wurde. Am nächsten Tag, war in Baden-Württemberg ein 17-Jähriger Amok gelaufen, hatte 15 Menschen erschossen und sich dann selbst getötet. Und nun ein neues Massaker, diesmal an Alten und Kranken: "Es ist schrecklich", beschrieb der Polizeichef der 1.800-Seelen-Gemeinde Carthage, Chris McKenzie, seine Gefühle.

Opfer im Alter zwischen 78 und 98 Jahren
In dem Gebiet, das wegen seiner Beschaulichkeit Senioren besonders anzieht, war der Täter um etwa zehn Uhr vormittags (Ortszeit) in das Pinelake-Heim mit vielen Alzheimer-Kranken gestürmt. Nach Augenzeugenberichten trug er mehrere Waffen und eröffnete das Feuer. Er habe wild um sich geschossen, "auf alles, auf Menschen, die in Rollstühlen saßen", hieß es in den Schilderungen. Den Behörden zufolge war das jüngste Opfer unter den Senioren 78 Jahre alt, das älteste 98 Jahre. Über den getöteten Pfleger gab es zunächst keine detaillierteren Angaben.

Bilder vom Unglücksort in der Infobox!

Sechs Menschen starben auf der Stelle, die beiden anderen später im Krankenhaus. Der Polizist unter den Verletzten erlitt einen Beinschuss, konnte aber noch am Sonntag aus dem Krankenhaus nach Hause entlassen werden. Über den Zustand des Schützen gab es zunächst keine Angaben, aber die Staatsanwaltschaft machte bereits eines klar: Er wird sich wegen achtfachen Mordes und schweren tätlichen Angriffes auf einen Polizeibeamten verantworten müssen.

Carthage stand unter Schock, auch Polizeichef McKenzie rang vor Journalisten sichtlich um Fassung. Das sei bei weitem das Schlimmste, das er jemals erlebt habe, bekannte er. Die Nachricht von den Schüssen hatte sich im Ort wie ein Lauffeuer verbreitet, viele Menschen versammelten sich in einer Kirche, um auf Nachrichten über das Schicksal der Heimbewohner zu warten. Die Pflegestätte mit 110 Betten gilt nach Medienberichten als exzellent, hat sogar von Washingtoner Behörden beste Noten erhalten. "Ich habe niemals gehört, dass hier jemand misshandelt worden wäre", zitierte der Sender CNN Bobby Dunn, dessen 89-jährige Mutter in dem Heim lebt. "Deshalb kann ich es nicht verstehen, warum jemand kommt und so etwas tut."

"Er kam mit einem Gewehr und einer Schrotflinte"
Er sei hier in Carthage groß geworden, sagte McKenzie und kämpfte mit den Tränen. "Es ist hart. Es ist mein Zu Hause, meine kleine Stadt." Staatssenator Harris Blake stand der Schock ebenfalls ins Gesicht geschrieben. "Er kam mit einem Gewehr und einer Schrotflinte", erklärte er. "Alte und wehrlose Menschen zu töten, dass so etwas passiert, ist einfach unfassbar. Was könnte noch an Brutalerem geschehen."

Ex-Frau: "Er hat manchmal zu Gewalt geneigt"
Die Ex-Frau des Täters zeigte sich gegenüber CNN von der Tat wenig überrascht: "Er hat manchmal zu Gewalt geneigt, daher würde ich es ihm schon zutrauen. Ich sage es ungern, aber es ist wahr."

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