Phantom-Mörderin

Lange gesuchte Serientäterin existiert gar nicht

Ausland
26.03.2009 14:39
Das "Phantom" war wirklich eines: Eine vermeintliche Serientäterin, der 38 Straftaten inklusive mehrerer Morde in 15 Jahren in Österreich, Deutschland und Frankreich zugeschrieben wurden, entpuppte sich offenbar als Mystifikation. Fast zwei Jahre lang hat die Polizei in Deutschland und Österreich nach der Frau gesucht. Den Grund zur Annahme, dass die Unbekannte existiert, boten anscheinend mit DNA verunreinigte Wattestäbchen, die bei der Sicherstellung biologischer Spuren an Tatorten verwendet worden waren.

In Österreich wurden dem "Phantom" 16 in Oberösterreich und Tirol verübte Einbruchsdiebstähle in den Jahren 2004 bis 2007 zugeschrieben. Als die unbekannte Frau im September vergangenen Jahres scheinbar auch noch in ein Tötungsdelikt in einer Linzer Disco verwickelt war, begann sich das Blatt zu wenden: Denn intensive kriminalistische Untersuchungen ergaben, dass dies ein Ding der Unmöglichkeit war. Daraus zogen Ermittler und Kriminaltechniker den Schluss, dass mit der DNA-Probe etwas nicht stimmen konnte.

Auch in Deutschland führten Ungereimtheiten zu einem solchen Verdacht, und zwar bei der Identifizierung einer Leiche. Als man der Vermutung nachging, es handle sich bei dem Toten um einen vermissten Asylwerber, tauchte bei der Analyse seiner im Akt aufliegenden Fingerabdrücke DNA des "Phantoms" auf.

Wattestäbchen waren verunreinigt
Nach weiteren eingehenden Ermittlungen stand fest, dass die verwendeten Wattestäbchen an allen Tatorten von einem bestimmten Hersteller in Deutschland stammten. Warum sie DNA enthielten, weiß man derzeit noch nicht. Andrea Raninger, stellvertretende Direktorin des Bundeskriminalamts in Wien, wies am Donnerstag auf Möglichkeiten hin, wie es zu den Verunreinigungen gekommen sein könnte: dass Hautschuppen beim Verpacken in die Produkte kamen, die Watte schon vor der Verarbeitung kontaminiert war oder das Bestrahlungssystem zur DNA-Beseitigung ausfiel. In Österreich wurden die kontaminierten Wattestäbchen nur in Oberösterreich und Tirol verwendet.

Serientäterin existiert offenbar nicht 
Das "Phantom", auch "Frau ohne Gesicht" genannt, war besonders in Deutschland eine intensiv gesuchte Täterin, da man davon ausging, dass sie unter anderem für zwei länger zurückliegende Morde an Pensionisten sowie einen Mord an einer jungen Polizistin im April 2007 in Heilbronn (Baden-Württemberg) verantwortlich war. Die brutale Vorgangsweise und auch Zeugenaussagen hatten zu Spekulationen geführt, dass es sich beim "Phantom" um eine Transsexuelle handle.

Hersteller-Firma droht Klage
Baden-Württemberg will den Hersteller von Wattestäbchen klagen, wenn Verunreinigungen zu falschen DNA-Proben im Fall des "Heilbronner Phantoms" geführt haben. "Dann wird einiges auf die Firma zukommen", wurde der Innenminister des deutschen Bundeslandes, Heribert Rech (CDU), in den "Stuttgarter Nachrichten" (Freitag-Ausgabe) zitiert. Seit dem Heilbronner Polizistenmord habe die Polizei "riesige" Arbeits- und Materialkosten gehabt

DNA an 38 Tatorten gefunden
An 38 verschiedenen Tatorten in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, dem Saarland, Frankreich und Österreich wurden DNA-Spuren einer unbekannten weiblichen Person gefunden, nach der jahrelang als Phantom gefahndet wurde. Die Frau soll mehrere Menschen, unter anderem eine Polizistin in Heilbronn, getötet haben. Zuletzt wurden Körperzellen nach einem Einbruch in einer Saarbrücker Schule auf einer Cola-Dose gesichert. 

Polizei stand lange vor einem Rätsel
Kopfzerbrechen bereitete den Ermittlern die unterschiedliche Vorgangweise des "Phantoms". Von brutalem Mord über schwere Einbrüche bis zum Kiosk- oder Schuleinbruch mit zwei Flaschen Coca Cola als Beute sei alles dabei gewesen. Auch keinem der ausgeforschten Verdächtigen habe je etwas über eine Komplizin entlockt werden können, so Ermittlungsleiter Keplinger. 

Hinzu wurde die DNA bei verschiedensten Tätergruppen und Nationalitäten gefunden, die normalerweise nicht zusammenarbeiten. Da es sich allem Anschein nach nun um alte DNA-Spuren handle, müssten alle diese Fälle vermutlich mehreren Tätern zugeordnet werden.

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