Einsturzdrama

Zweiter Verschütteter in Köln tot geborgen

Ausland
12.03.2009 20:31
Neun Tage nach dem Einsturz des Historischen Stadtarchives in Köln ist am Donnerstag in den Trümmern eine zweite Leiche entdeckt worden. Ob es sich um den vermissten 24-jährigen Khalil G. handle, könne man noch nicht sagen, hieß es von der Polizei. Die Leiche liege neun Meter unter dem Erdniveau. Am 3. März waren das an einer U-Bahn-Baustelle gelegene Archiv und zwei Nachbarhäuser eingestürzt. Fünf Tage nach dem Einsturz hatten die Hilfskräfte einen ersten Toten geborgen. Der 17-Jährige hatte im Dachgeschoß eines der beiden Nachbarhäuser gewohnt, die ebenfalls eingestürzt waren.

Die Obduktion habe ergeben, dass der junge Mann vermutlich im Schlaf sofort gestorben sei. Das einstürzende Haus habe ihn 15 Meter tief mitgerissen, so die Polizei.

Die Staatsanwaltschaft Köln erweiterte unterdessen ihre Ermittlungen gegen Unbekannt um den Tatbestand der fahrlässigen Tötung. Bisher liefen die Untersuchungen wegen des Verdachts auf Baugefährdung und fahrlässige Körperverletzung. Zur Zeit gebe es keine Hinweise auf weitere Opfer, sagte Clauer. Hundertprozentige Sicherheit wird es nach den Worten von Feuerwehr-Sprecher Stephan Neuhoff allerdings erst geben, wenn "der letzte Stein umgedreht ist".

Kölner Verkehrsbetriebe entschuldigen sich
Unterdessen entschuldigten sich die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) für das offenkundig bei U-Bahn-Bauarbeiten entstandene Unglück, das sich am vergangenen Dienstag mitten in Köln ereignete. KVB-Chef Jürgen Fenske sagte am Sonntag, "dass ich mich entschuldigen möchte für das, was passiert ist". Die Entschuldigung richte sich an die Angehörigen der Opfer, die geschädigten Anwohner und all diejenigen, "die sich nun Sorgen machen um ihre Situation". Dies sei aber ausdrücklich kein Schuldeingeständnis.

Die Kölner Staatsanwaltschaft hatte in der Vorwoche Ermittlungen aufgenommen. Das Verfahren richtet sich laut Oberstaatsanwalt Günther Feld derzeit gegen Unbekannt. Es gehe um den Vorwurf der Baugefährdung sowie der fahrlässigen Körperverletzung und nun auch der fahrlässigen Tötung. Aufschluss über die genaue Unglücksursache erhoffen sich die Ermittler von drei Gutachtern, die bereits an der Unglücksstelle tätig wurden.

Angeblich Probleme bei der Grundwasser-Ableitung
Laut "Kölner Stadt-Anzeiger" bezieht die Staatsanwaltschaft auch angebliche Probleme bei der Grundwasser-Ableitung an der U-Bahn-Baustelle vor dem eingestürzten Stadtarchiv in ihre Ermittlungen ein. Dem Blatt zufolge sollen die KVB seit längerem von ernsten Problemen mit einem von drei Brunnen gewusst haben. Bei ihm ließ sich demnach der Wasserspiegel trotz des Einsatzes leistungsstarker Pumpen nicht senken.

Unterdessen brachten Helfer zum Schutz der verschütteten Dokumente des Stadtarchivs weitere wasserdichte Folien auf dem Schuttberg an. Zugleich setzte die Feuerwehr die Arbeit an einem 40 Meter breiten Schutzdach über der Unglücksstelle an. Die wertvollen Archiv-Materialien gelten zusätzlich durch den ausgiebigen Regen als gefährdet, der über Köln niederging.

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