Notbremse

Kurzarbeit: Voestalpine-Chef ortet Verständnis

Oberösterreich
16.01.2009 17:57
Der voestalpine-Konzern zieht die Notbremse: Für gut zehn Prozent der 42.000 Mitarbeiter gilt in den kommenden Monaten Kurzarbeit, Leiharbeiter werden abgebaut. Zur Vermeidung von Kündigungen werden auch andere Arbeitszeitmaßnahmen wie der Abbau von Überstunden, Resturlauben und Zeitguthaben ausgedehnt. "Bis April oder Mai" werde sich die Situation, laut Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Eder im ORF-Interview, "nicht zum Positiven verändern". Sollte tatsächlich noch vor Sommer eine erste Verbesserung eintreten, würde die Kurzarbeit nicht verlängert werden.

Kurzarbeit sei natürlich ein schmerzlicher Schritt für einen Konzern, aber "wenn die Wirtschaftswelt in einer Situation ist, wie wir sie in den letzten Manager-Generationen noch nie hatten, dann kann sich ein global tätiger Konzern dem nicht entziehen", betonte Eder.

Belegschaft durch die Krise bringen
Der voestalpine-Konzern sei ein gut aufgestelltes Unternehmen. Wenn die Kunden aber nichts mehr verkaufen können, schlage sich das irgendwann auf die voestalpine durch. "Und dem tragen wir Rechnung", so der voest-Chef. Das bedeute natürlich Opfer für alle Mitarbeiter. Das ganz Wesentliche dabei sei aber, alles zu tun, um die Stammbelegschaft durch die Krise zu bringen.

Vorsitzender ortet Verständnis bei Mitarbeitern
"Uns ist sehr wichtig, dass die Mitarbeiter auch in den schwierigsten Phasen Arbeit haben. Dass es für jeden einen gewissen Verzicht bedeutet, ist leider damit zwangsläufig verbunden, aber soweit wir das nach den Gesprächen der letzten Zeit abschätzen können, besteht seitens der Mitarbeiter größtes Verständnis für diesen Schritt", so Eder weiter.

Kurzarbeit tritt erst in Kraft
Insgesamt sind rund 4.000 Mitarbeiter von den Maßnahmen betroffen. Sie werden in den kommenden drei Monaten um rund 15 Prozent weniger arbeiten und müssen dafür eine Bezugsverringerung von bis zu 10 Prozent wegstecken. Wann die Kurzarbeitsregelung in Kraft tritt, soll in den kommenden Tagen entschieden werden. Dazu laufen noch Verhandlungen zwischen Belegschaftsvertretung und Management.

Geförderte Bildungskarenz
Neben der Kurzarbeit werden auch die bisher schon laufenden Personalmaßnahmen weiter forciert. So müssen Überstunden, Resturlaube und Zeitguthaben aufgebraucht werden. In Österreich gehen außerdem rund 150 Mitarbeiter in geförderte Bildungskarenz. Eine neue Personaldrehscheibe soll Leute innerhalb des Konzerns weitervermitteln.

Sigl: "Arbeitsplatzsicherheit hat Vorrang"
Nach Bekanntwerden der Kurzarbeit bei der voestalpine haben Landeshauptmann-Stellvertreter Erich Haider (SPÖ) und Wirtschaftslandesrat Viktor Sigl (ÖVP) am Mittwochnachmittag Unterstützung zugesagt. Haider sieht die Eigentümer des Unternehmens gefordert: "Arbeitsplatzsicherheit hat Vorrang vor Gewinninteressen."

In einer wirtschaftlich schwierigen Zeit sei es oberstes Gebot, möglichst viele Menschen in Beschäftigung zu halten, betonte Sigl.

Haider: "Auch Leasing-Kräfte müssen unterstützt werden"
Es sei kein Trost, wenn immer wieder davon gesprochen werde, dass vorerst nur Leasing-Kräfte von Kündigungen betroffen seien, erklärte Haider. Diese seien Arbeitnehmer wie alle andere auch und hätten ihre Familien zu versorgen. "Diese Menschen müssen ebenfalls unterstützt werden", so Haider.

Appell an Unternehmen
Sowohl Kurzarbeit als auch Bildungskarenz ermöglichen die Weiterbeschäftigung und -qualifizierung des Personals, erklärte Sigl in einer Aussendung. "Ich appelliere auch an die Unternehmen, diese Maßnahmen zu nützen und nicht Menschen freizusetzen." Sigl kündigte für Freitag ein Treffen mit AMS-Chef Roman Obrovski an, bei dem Kurzarbeit ein Hauptthema sein werde.

Werksferien um Produktion zu drosseln
Das voestalpine-Werk in Linz hat zum Jahreswechsel - zum ersten Mal seit Jahren - zwei Wochen Werksferien gemacht. Damit wurde die Produktion um 150.000 Tonnen Stahl gedrosselt. Eine ursprünglich angedachte weitere Woche im Februar, die zusätzlich 100.000 Tonnen gebracht hätte, hofft man durch die jetzigen Maßnahmen abwenden zu können.

Voest: "Opferbereitschaft von allen"'
Trotz der Produktionspause ist immer noch nicht genug Arbeit für alle Beschäftigten da: Die Lage stelle sich unverändert schwierig dar, so Eder, es sei auch keine Besserung abzusehen. Dennoch seien Kündigungen größeren Ausmaßes "nur das letzte Mittel zur Bewältigung der Krisensituation", die allerdings "von uns allen eine erhebliche Opferbereitschaft verlangen" werde.

Der voestalpine-Konzern erzielte im Geschäftsjahr 2007/08 (per Ende März) einen Umsatz von mehr als 10 Mrd. Euro und beschäftigt weltweit über 42.000 Mitarbeiter, davon mehr als die Hälfte außerhalb Österreichs. Die Unternehmensgruppe ist mit 360 Produktions- und Vertriebsgesellschaften in über 60 Ländern der Welt vertreten.

Pühringer: "Um jeden Arbeitsplatz kämpfen"
Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP) will um jeden Arbeitsplatz kämpfen. Er stelle sich "voll hinter die gesamte Belegschaft" und werde alles unternehmen, um Kündigungen zu verhindern, betonte Pühringer am Mittwochnachmittag. Eine sozialverträgliche Lösung für alle Betroffenen sei nun entscheidend.

"Wir werden alles tun, um die Auswirkungen der Wirtschaftskrise so gering als möglich zu halten", erklärte der Landeshauptmann. Er verwies in diesem Zusammenhang auf den für 9. Februar geplanten Wirtschafts- und Arbeitsgipfel mit Politikern, Sozialpartnern und Experten. Pühringer: "Wir werden nicht wegschauen und, so weit es dem Land möglich ist, Maßnahmen setzen, um die negativen Auswirkungen insbesondere für den Arbeitsmarkt und für die Menschen möglichst gering zu halten."

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