Chaos in Athen

21-jähriger Polizist nach Anschlag in Lebensgefahr

Ausland
05.01.2009 13:50
Nach wochenlangen Ausschreitungen in Griechenland haben Unbekannte am Montag Früh in der Hauptstadt Athen mit Sturmgewehren und einer Handgranate einen Polizeiposten angegriffen. Ein 21-jähriger Polizist wurde dabei durch die Schüsse schwer verletzt. Er schwebte trotz einer mehrstündigen Operation in Lebensgefahr, teilten Ärzte mit. "Der Zustand des Verletzten ist äußerst ernst, aber stabil", teilte ein Sprecher der Krankenhauses in Athen mit. Die Kugeln hätten seine Lunge und andere Organe verletzt. Insgesamt seien 72 Verdächtige in Polizeigewahrsam genommen worden, hieß es im Staatsradio.

Innenminister Prokopis Pavlopoulos besuchte den Verletzten im Krankenhaus und nannte die Tat einen "Angriff auf die Demokratie und die Normalität". Experten stuften die Attacke als möglichen Racheakt ein: Am 6. Dezember war in Athen ein 15-Jähriger bei einer Demonstration durch eine Polizeikugel getötet worden. Seitdem kommt es in Griechenland immer wieder zu gewaltsamen Protesten und Angriffen auf die Polizei. Am 23. Dezember hatten Unbekannte einen Polizeibus unter Beschuss genommen. Damals war aber niemand verletzt worden. Zu der Tat bekannte sich eine bisher unbekannte Untergrundorganisation namens "Volksaktion".

Tat in Hochburg der autonomen Szene Athens
Die blutige Attacke am Montag ereignete sich laut Polizei kurz nach drei Uhr nachts vor einem Gebäude des Kulturministeriums im Stadtviertel Exarchia. Die Gegend gilt als Hochburg der autonomen Szene. Die Täter - nach Augenzeugenberichten zwei oder drei - hätten aus einer Entfernung von etwa 40 Metern mit einer automatischen Schusswaffe auf einen der Posten geschossen. Der Polizist wurde von zwei Kugeln am Oberkörper und am Bein getroffen. Später stellte es sich heraus, dass die Täter auch eine Handgranate auf die Beamten geschleudert hatten.

27 Patronenhülsen gefunden
Anschließend nahm die Polizei im Umkreis des Tatorts 72 Menschen in Gewahrsam, die als verdächtig eingestuft wurden. Die Polizei fand am Tatort mindestens 27 Patronenhülsen, die aus einem AK-47-Sturmgewehr (Kalaschnikow) stammen sollen. Die verwendete automatische Waffe sei bereits bei einem Anschlag auf den Polizeibus vor zwei Wochen benutzt worden, teilte die Polizei mit. Damit wurden auch Befürchtungen laut, dass eine gut organisierte extremistische Gruppe hinter den Angriffen stehen könnte.

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