Knappe Mehrheit
Aubry neue Chefin von Frankreichs Sozialisten
Aubry (im Bild bei der Stimmabgabe) erhielt von den 233.000 stimmberechtigten PS-Mitgliedern 42 Stimmen mehr als ihre Kontrahentin. Der scheidende Parteichef François Hollande werde eine Krisensitzung des PS-Nationalrats einberufen, teilte die Parteileitung weiter mit. Royal verlangte eine neue Abstimmung.
Schon vor der Bekanntgabe des Auszählungsergebnisses beanspruchten die verfeindeten Lager von Aubry und Royal jeweils den Sieg für sich. Aubry könne "nicht mehr geschlagen werden", sagte der Abgeordnete Claude Bartolone mehrere Stunden vor der Erklärung der Parteileitung zum Ausgang der Urwahl. Royals Vertrauter Manuel Valls erklärte hingegen, der Sieg der früheren Präsidentschaftskandidatin sei "unausweichlich".
Scheidender Parteichef setzt Krisensitzung an
Bei der Sitzung des PS-Nationalrats soll voraussichtlich am kommenden Mittwoch über die bereits laut gewordene Kritik an dem Wahlverfahren beraten werden. Die Führungsgremien der Partei stehen mehrheitlich auf der Seite der 58-jährigen Aubry.
Für die 55-jährige Kontrahentin Royal ist der Kampf um den Parteivorsitz zugleich eine Etappe bei einem nochmaligen Versuch, Staatspräsidentin zu werden. Royal hatte erkennen lassen, dass sie sich im Jahr 2012 erneut um das höchste Staatsamt bewerben will. Im vergangenen Jahr unterlag sie gegen den konservativen Kandidaten Nicolas Sarkozy.
Royal verlangt einen neuen Wahlgang
Anhänger Royals machten in der Nacht zum Samstag mehrfach deutlich, dass es nach ihrer Ansicht bei der Auszählung Unregelmäßigkeiten gab. Royal forderte eine neue Abstimmung und schlug dafür den kommenden Donnerstag vor. Aubry wies die Forderung umgehend zurück. "Wir stehen am Rande einer Explosion", sagte ein Führungsmitglied der Partei. Die Beteiligung an der Abstimmung lag bei 58,87 Prozent.
Frankreichs Sozialisten schon lange zerstritten
Die französischen Sozialisten sind seit langer Zeit tief zerstritten. Zuletzt hatte sich dies beim Parteitag von Reims gezeigt, bei dem keine Einigung auf die inhaltliche Ausrichtung der Partei zustande kam. Der Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoë hatte bei dieser Gelegenheit seine Ambitionen aufgegeben, sich um den Parteivorsitz zu bewerben. Im ersten Wahlgang bei der Urwahl um den Parteivorsitz hatte Royal knapp 43 Prozent der Stimmen bekommen, auf Aubry entfielen knapp 35 Prozent. Der Drittplatzierte Benoît Hamon hatte dann eine Empfehlung zugunsten von Aubry abgegeben.
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