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10.10.2008 11:15

Literatur-Nobelpreis geht an Franzosen Le Clezio

Der Literatur-Nobelpreis geht heuer an den 68-jährigen Franzosen Jean-Marie Gustave Le Clezio. Die Auszeichnung gilt "dem Verfasser des Aufbruchs, des poetischen Abenteuers und der sinnlichen Ekstase, dem Erforscher einer Menschlichkeit außerhalb und unterhalb der herrschenden Zivilisation", heißt es in der Begründung der Nobelpreis-Jury.

Die Vergabe des Preises an Le Clezio gab die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften am Donnerstag bekannt. Die Auszeichnung ist wie im Vorjahr mit zehn Millionen Kronen (1,033 Mio. Euro) dotiert und wird am 10. Dezember, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel, vom schwedischen König Carl Gustaf in Stockholm überreicht.

"Gerührt und dankbar"
Le Clezio hat sich "gerührt und dankbar" über die Vergabe des Literaturnobelpreises an ihn geäußert. In einem Interview mit dem schwedischem Rundfunksender SR in Stockholm sagte der 68-Jährige: "Dies ist eine große Ehre, und ich danke der Schwedischen Akademie". Den Anruf mit der Mitteilung aus Stockholm habe seine Frau entgegengenommen, während er selbst gerade mit Schreiben beschäftigt gewesen sei.

Der entspannt und ruhig wirkende Le Clezio kündigte an, dass er "auf jeden Fall" zur feierlichen Verleihung am 10. Dezember in Schwedens Hauptstadt reisen werde. In den vergangenen Jahren hatten drei von vier Preisträgern die Teilnahme wegen Krankheit absagen müssen.

"Preis motiviert zum Weiterschreiben"
Für Le Clézio ist der Preis ein Motivationsschub: "Das gibt Kraft und motiviert weiterzumachen." Für einen Schriftsteller sei es wichtig, gelesen zu werden, Reaktionen zu bekommen. Und das sei eine Antwort, meinte der 68-Jährige weiter. Der Name des Schriftstellers kursierte schon Stunden vor der offiziellen Bekanntgabe als möglicher Preisträger in den französischen Medien.

In seiner Dankesrede in Stockholm wolle er auf die Schwierigkeiten aufmerksam machen, die junge Autoren heute haben, verlegt zu werden. "Man muss ständig an alle Türen klopfen, man läuft gegen Wände an", sagte er. Romane zu schreiben, sei für ihn wie in eine zweite Haut zu schlüpfen, man wechsle die Person, das Geschlecht. "Ich schreibe nur Romane, weil ich nicht in der Lage bin, Tagebuch zu schreiben. Mein Leben zu betrachten und anzunehmen, es sei von Interesse, geniert mich etwas", erklärte der Preisträger.

Le Clezio ist der erste französische Literatur-Nobelpreisträger seit 1985, als Claude Simon ausgezeichnet worden war. Im Jahr 2000 war der in Frankreich lebende chinesische Dichter Gao Xingjan ausgezeichnet worden.

Jean-Marie Gustave Le Clézio wurde am 13. April 1940 in Nizza als Sohn eines britischen Arztes und einer Französin geboren, die beide starke familiäre Bande nach Mauritius haben. Er verbrachte seine Kindheit in Frankreich und kurzzeitig in Nigeria. Später hat er unter dem Titel "Onitsha" über seine Kindheit geschrieben.

Durchbruch mit erstem Roman
Nach Literatur-Studien in Frankreich und England  schaffte er gleich mit seinem ersten, mit dem renommierten "Renaudot"-Preis ausgezeichneten Roman, "Le procès-verbal" (1963, auf Deutsch: "Das Protokoll"), den Durchbruch. In der euphorischen Kritik wird gelobt, dass Le Clézio sich entgegen den literarischen Moden dem Erzählen öffnet und so gleich den "noveau roman" hinter sich ließ.

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