Datenpanne in GB

Großbritannien: Vertrauliche Daten verloren

Ausland
22.08.2008 15:12
Neuer Datenskandal in Großbritannien: Diesmal sind unverschlüsselte Informationen über Zehntausende Häftlinge verschwunden. Auf dem abhandengekommenen Memorystick seien unter anderem persönliche Daten von 10.000 Schwerverbrechern sowie Details über alle 84.000 Häftlinge in England und Wales gespeichert gewesen, räumte das Innenministerium in der Nacht zu Freitag ein. Ein Sprecher sagte, eine private Beratungsfirma habe die Daten verloren. Das Ministerium kündigte eine Untersuchung an.

Auf dem Speichermedium waren unter anderem die Namen, Adressen und teils die geplanten Entlassungstermine der Gefangenen gespeichert. Der Stick enthält zudem Adressen und Namen sowie Geburtsdaten von 30.000 Verbrechern, die sechs oder mehr Strafen auf dem Kerbholz haben. Neben den Angaben von 33.000 Gefängnisinsassen seien auch Namen und Geburtsdaten der Teilnehmer von Drogen-Entzugsprogrammen darunter.

"Inkompetenz der Regierung"
Der Schatten-Innenminister der oppositionellen Konservativen, Dominic Grieve, sagte, er sei "absolut entsetzt" von der "Inkompetenz der Regierung". Die Firma PA Consulting hatte die Regierung am Montag über den Verlust informiert und suchte bisher erfolglos nach dem Datenträger. Unklar war, wie er verloren ging. Das Unternehmen, dem die jüngste schwerwiegende Panne passierte, war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Mehrere Vorfälle in den letzten Monaten
Es ist die letzte von zahlreichen Datenpannen in den vergangenen Monaten, die die britische Labour-Regierung unter Druck bringt. Im vorigen Jahr waren unter anderem die Daten von Millionen Kindergeldempfängern und Führerschein-Bewerbern verloren gegangen. Zuletzt wurden hochgeheime Dokumente unter anderem über das islamistische Terrornetzwerk Al Kaida in einem Zug liegengelassen. Auch kam ans Licht, dass beim Verteidigungsministerium in den letzten Jahren hunderte Laptops gestohlen worden waren. Im vergangenen Jahr hatte auch die Steuerbehörde mitgeteilt, die Unterlagen von 25 Millionen Bürgern seien verloren gegangen.

Die Konservativen betonten, es bestehe nun das Risiko, dass die Betroffenen die Regierung auf Entschädigung verklagen, wenn die Verbrecher-Daten von Dritten benutzt würden. Die Datenschutzbehörde nannte die Panne "zutiefst besorgniserregend". Das Innenministerium müsste sich "ernsten Fragen" stellen.

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