Serbien "nicht tot"
Ausschreitungen bei Pro-Karadzic-Demonstration
25 Polizisten und 21 Demonstranten seien in die Notaufnahmen der Stadt eingeliefert worden, wie ein Krankenhaus und die Polizei mitteilten. Unter den Verletzten waren ein Kameramann des spanischen Fernsehsenders RTE und ein Journalist der serbischen Nachrichtenagentur Beta. Ein Polizist und ein Demonstrant mussten demnach stationär behandelt werden, alle weiteren seien nur leicht verletzt worden.
"Danke, dass ihr in so großer Zahl gekommen seid, um zu zeigen, dass Serbien nicht tot ist", rief Alexander Vucic, Generalsekretär der ultranationalistischen SRS, der Menge zu. Die Demonstranten forderten Karadzics Freilassung und beschimpften den pro-westlichen Präsidenten Boris Tadic in Sprechchören als "Verräter". Sie trugen Fotografien von Karadzic sowie vom ehemaligen jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic und dem eigentlichen SRS-Chefs Vojislav Seselj, der sich als Haager Angeklagter im Tribunalsgefängnis in Scheveningen befindet. Seselj wandte sich an die Protestierenden mit einem Schreiben, das in Belgrad verlesen wurde: Man wolle Karadzic jener Institution ausliefern, die Milosevic ermordet habe, verkündete der Ultra-Nationalist aus seiner Zelle.
"Wir wollen nicht Belgrad, sondern Tadic zerstören"
Als der amtierende Chef der SRS, Tomislav Nikolic, zu den Demonstranten sprach, begannen die Jugendlichen zu randalieren. Nikolic versuchte, die jungen Leute zu beruhigen. "Tut das nicht, Kinder, dafür sind wir nicht hier, wir wollen nicht Belgrad, sondern Tadic zerstören", rief er den Hooligans zu. Die als gewaltbereit bekannten Fußballfans hatten ein riesiges Transparent mit Karadzics Konterfei und Spruchbänder mit Aufschriften wie "Wir töten euch alle" sowie "Boris Tadic, Serbien bereitet deine Beerdigung vor, du bist am Ende" bei sich.
Heftige Straßenschlachten
Rund hundert Hooligans bewarfen die anwesenden Polizisten mit Steinen, Flaschen und Brandsätzen. Diese antworteten mit Tränengas und Gummigeschoßen. Es kam zu heftigen Straßenschlachten. Wie serbische Medien in der Nacht auf Mittwoch berichteten, hatten die Demonstranten zahlreiche Geschäfte in der Innenstadt zerstört. SRS-Generalsekretär Vucic beschuldigte die Polizei eines "übermäßigen Gewalteinsatzes". Über eventuelle Festnahmen lagen keine Angaben vor. Gegen Mitternacht sei die Situation unter Kontrolle gebracht worden, erklärte Polizeichef Milorad Veljovic.
Immer wieder Gewalt bei Demos der Nationalisten
Die Behörden hatten sich mit einem massiven Aufgebot an Sicherheitskräften auf die Kundgebung vorbereitet. Bereits in der vorigen Woche war es nach der Verhaftung des mutmaßlichen Kriegsverbrechers Karadzic bei Protestaktionen zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Bei der letzten Großdemonstration der Nationalisten wegen der Unabhängigkeitserklärung des Kosovos waren 150.000 Menschen in Belgrad zusammengekommen. Nach der Kundgebung kam es zu gewaltsamen Ausschreitungen und einem Brandanschlag auf die US-Botschaft.
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