04.08.2008 13:34 |

Weise für die Reise

Welcome to the Hotel VW California!

Welcome to the Hotel California! Check-in ist am Fahrersitz, die Suite hat zwei Schlafzimmer, eine Küche mit Gasherd und Kühlschrank, Air Condition mit Standheizung, Stereoanlage und eine Terrasse. Und das Beste: Man kann es überall mit hinnehmen!

Die Minibar nicht zu vergessen, die so mini gar nicht ist und nach Bedarf mehr als alkoholische Kleinigkeiten, Nüsse und Schokoriegel beinhaltet. Wir sitzen an der sonnigen Westküste Italiens und haben Cozze aus besagter Kühlbox gezogen, Miesmuscheln also. Das Rezept habe ich im Kopf, und so brodeln die Muscheln im Topf auf einer der zwei Flammen des Gasherdes im VW California. Das Ausstelldach ist ausgestellt (geht tadellos auf Knopfdruck), so dass sogar ich mit der ganzen Länge meiner 1,88 Meter bequem stehen kann.

Auf der überdachten „Terrasse“ ist bereits der Tisch gedeckt, der während der Fahrt in der Schiebetür untergebracht war. Die beiden Klappsessel hat die Beifahrerin aus dem Inneren der Heckklappe gezogen und aufgestellt. Inzwischen trinkt sie den ersten Spritz Aperol, zwar ohne Eiswürfel (die kann die Kühlbox nicht), aber dennoch kalt. Das ist praktisch die Zweitverwertung für den Weißwein, mit dem ich die Cozze koche.

Was schert uns der Regen?
Hinter uns liegen bereits fünf Tage Urlaub in (bzw. durch) Italien und teils sintflutartiger Regen, doch das tut der guten Stimmung keinen Abbruch. „It never rains in California“, und im VW California scheint praktisch auch immer irgendwie die Sonne, wenn nicht gerade im extremen Regen ein wenig Wasser durch die Zeltwände des Ausstelldaches hereinstaubt. Bei normalem Schlechtwetter halten die Wände aber tadellos dicht. Wird es zu kalt, schalten wir die Diesel-Standheizung ein.

Eng, aber okay
Trotz der Enge, die naturgemäß auf 4 m² Wohnfläche herrscht, hält man es zu zweit ganz gut aus. Zum entspannten Schlafen empfiehlt es sich, beide Betten zu aktivieren, also die Liegefläche unten und das Bett oben, das sogar einen richtigen Lattenrost hat und viel bequemer ist (Liegefläche oben 120 x 200 cm, unten 114 x 200 cm). Die Fenster sind allesamt verdunkelbar, oben kann man seitlich je einen Reißverschlussbogen öffnen, um Licht und Luft hereinzulassen. Zum Frühstück ist das obere Bett schnell weggeklappt und unten wieder die Sitzbank samt Tisch aufgestellt. Der Beifahrersitz ist sowieso noch nach hinten gedreht, beim Fahrersitz sparen wir uns das, da ist es umständlicher.

Das optionale Vordach (per Kurbel auszufahren) haben wir leicht schräg gestellt, nachdem es uns durch eine Ansammlung der Sintflut etwas eingeknickt war. Anfängerfehler. Alles ist aber auch extrem schnell wieder in fahrbereitem Zustand. Nach Stippvisiten in Portogruaro, Cáorle und Conegliano und einem Besuch in Verona sind wir in Lerici angekommen. Spontan, wie wir als Campingbus-Camper sind, hat der anvisierte Campingplatz natürlich noch eine Woche geschlossen. Was egal ist. Wir haben uns einfach ein paar hundert Meter bergab Richtung Strand unter die Bäume gestellt. Diese Spontaneität ist manchmal unbezahlbar! Fünf Minuten Fußweg und wir sind in einer netten kleinen Bucht mit Sandstrand und fast ohne Menschen.

Dass es gerade zu nieseln beginnt, stört uns schon gar nicht mehr, nach dem Regen der vergangenen Tage, unter unserer Markise ist es warm und trocken. Die Muscheln sind inzwischen fertig und schmecken köstlich (Rezept siehe Infobox!). Auch der Weißwein dazu. Gut, dass wir heute nicht mehr fahren müssen! Aber abwaschen, da sind 30 Liter Frischwasser und ein Spülbecken hilfreich.

Stromanschluss haben wir hier im offenen Gelände natürlich nicht, aber der Wohnraum hängt an einer eigenen Batterie, die sogar die 42-Liter-Kühlbox, deren Temperatur digital einstellbar ist, relativ lang in Betrieb halten kann. So müssen wir nicht befürchten, dass wir am nächsten Morgen nicht mehr starten können. Nur das Radio läuft über die normale Batterie, Vorsicht also vor zu langem Musikhören!

Entspanntes Fahren allüberall
Von Lerici aus geht's am nächsten Tag weiter gen Süden. Inzwischen haben wir auch schon kapiert, dass es nicht egal ist, was man wo verstaut. Das Dachstaufach über der Rückbank ist für schwere Gegenstände tabu, sonst wird das Fahrverhalten schwammig. Platziert man Gewichtiges dagegen möglichst tief (z.B. in der Schublade unter der Bank oder hinter der Bank am Boden), fährt sich der California nicht wie ein Hausboot, sondern wie ein Pkw. Mit 340 Nm und den 131 PS, die unser 2,5-Liter-TDI leistet, lässt es sich sogar überholen. Okay, ein Rennwagen ist er nicht (0-100=16,3 s, Vmax 168 km/h), aber auch kein Schneckenhaus. Der Verbrauch bei flotter Fahrweise hat sich bei gut 10 Litern eingependelt.

Wie zu Hause an der Amalfiküste
Sogar an der sensationellen Amalfiküste ist man mit dem VW California bestens aufgehoben, trotz oder gerade wegen der vielen extrem engen Kurven. Hier stört nur, dass die Hupe so viel Nachdruck braucht (ein Minuspunkt auf der Italienreise). Die Maße des California lassen sich bestens einschätzen und sind gering genug für enge Strecken und winkelige Gassen wie in Amalfi (oder Verona oder Frascati oder Santa Maria di Castellabate oder…). In größeren Wohnmobilen ist es schwieriger, ohne Kratzer durchzukommen; wir fahren dagegen völlig entspannt überall hin. Auf einem engen Campingplatz in Vicolo Equense staunt der Platzwart, wie schnell unser Rolling Home auf den Stellplatz rangiert ist. Am nächsten Morgen werden wir davon wach, dass der Nachbar beim Ausparken mit seinem Alkoven-Mobil den Stromanschlusskasten mitnimmt – und sein Rücklicht dafür da lässt.

Wirklich erstaunlich, dass im Prinzip alles vorhanden ist, was man so braucht (außer Bad und Toilette), und das bei diesem kompakten Fahrzeug. Im Boden des Kleiderschrankes befindet sich sogar ein kleiner Safe, am oberen Bett ein Leselicht mit Schwanenhals. Die Beifahrerin hätte zwar gerne mehr Platz auf ihrem Sitz, aber sie hat sich daran gewöhnt. Und je nachdem, wo man sich niederlässt, ist der Garten dafür riesengroß. Wenn einem die Nachbarn nicht passen, packt man seine Siebensachen zusammen und fährt weiter. So kann der Traum von der Freiheit ausschauen.

Im VW California Comfortline ist fast alles Wichtige serienmäßig, abgesehen von Markise (600 Euro), Safe(130), Tempomat (300), Parksensor (650) und Navi (3.800), mit 131 PS um knapp 57.000 Euro. Für so viel Geld bekomme ich auch zwei Passat Variant. Die sind aber nicht so wohnlich…

Stephan Schätzl

Warum?

  • durchdachter Innenraum, kompaktes Fahrzeug
  • alltagstauglicher, bewährter Klassiker
  • Was soll ich mit zwei Passat?

Warum nicht?

  • Ein Ballsaal ist er nicht.
  • stolzer Preis

Oder vielleicht …

  • … einfach einen für den Urlaub mieten?
  • … ein großes Auto und einen großen Wohnwagen?

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