Die Ski-Welt verneigt sich vor Dreifach-Olympiasieger Franjo von Allmen. Einen Auftritt im Riesentorlauf schloss er lachend kategorisch aus. „Das wäre völlig daneben, wenn ich mit einem einzigen Riesenslalom-Rennen da starte. Das überlasse ich denen, die das können.“
Die olympischen Rennen in Bormio liefern dieser Tage einen Vorgeschmack auf die Ski-WM 2027 in der Schweiz. Unter dem Applaus Hunderter Schweizer Fans winkte Franjo von Allmen ein drittes Mal vom obersten Treppchen. Der 24-Jährige, der als Kind nie von Olympiasiegen geträumt hat, machte mit dem Super-G-Sieg gar den Olympia-Hattrick bei den Winterspielen in Italien perfekt. Er findet sich nun in einem elitären Kreis mit den Legenden Toni Sailer und Jean-Claude Killy wieder.
Der Kitzbüheler Sailer (1956 in Cortina d‘Ampezzo) und der Franzose Killy (1968 in Grenoble) waren bisher die einzigen beiden Männer, die bei ein und denselben Winterspielen drei Goldmedaillen gewonnen haben. Für einen wie Von Allmen, der noch am Beginn seiner Karriere steht, ist dieser Eintrag in die Geschichtsbücher nicht mehr als eine nette Randnotiz. „Für mich ist Skigeschichte nicht sehr wichtig. Das, was auf dem Papier steht, ist ziemlich nebensächlich für mich.“
Auch ohne Harakiri pfeilschnell
Der aus Boltigen im Obersimmental im Kanton Bern stammende Athlet konzentriert sich lieber auf die Arbeit auf der Piste. Wichtig dabei ist ihm, typisch für die Generation Z, dass der Spaß dabei nicht zu kurz kommt. Diese Unbeschwertheit ist einer seiner großen Trümpfe. Gleichzeitig hat sie auch schon dazu geführt, dass er zu viel Risiko nahm und dicke Patzer einbaute. Von Harakiri-Fahrten, wie er sie schon öfter lieferte, war er in der Olympia-Woche aber weit entfernt. Pfeilschnell war er dennoch.
„Unglaublich, was er diese Woche gezeigt hat. Den Flow, wenn einfach alles funktioniert, hatte ich vor ein paar Jahren auch. Das muss er einfach genießen“, sagte Marco Odermatt, der sich nach Silber in der Teamkombi dieses Mal mit Bronze begnügen musste. Für Beat Feuz, den Abfahrts-Olympiasieger von 2022, hatte sich Von Allmens dritter Streich fast schon abgezeichnet. „Es ist verrückt und eigentlich unglaublich, aber man hat es fast schon kommen sehen. Die Piste war nicht eisig, sondern griffig und Kurs gerade gesetzt“, sagte Feuz.
Rasante Entwicklung des Zimmermanns
Hinzu kam das Glück des Tüchtigen. „Ich hatte heute sicher Glück mit der frühen Nummer und dass der Schnee langsamer wurde“, sagte Von Allmen am Fuße der Stelvio. Die Konkurrenz kommt inzwischen aus dem Staunen nicht heraus. „Es ist unglaublich, wie er immer den Druck auf den Ski bringt, er hat unglaublichen Speed. Er ist ein cooler Skifahrer“, sagte Vincent Kriechmayr. Ryan Cochran-Siegle, der Super-G-Silber gewann, sagte über Von Allmen, dieser sei „fun to watch“, einfach großartig anzuschauen. „Seine Entwicklung in den letzten zwei Jahren ist einfach nur fantastisch“, sagte der US-Amerikaner.
Dabei hing Von Allmens Karriere einst am seidenen Faden. Nach seiner zweiten Goldmedaille wurde er auf den frühen Tod seines Vaters angesprochen. Und darauf, dass der damals 17-Jährige auf öffentliche Spenden angewiesen war, um seine Laufbahn fortzuführen. Darüber wolle er medial eigentlich nicht mehr sprechen, sagte er höflich, aber bestimmt. „Es war eine schwere Zeit für mich, aber sie liegt zurück, und ich will nach vorne schauen.“ Lieber sprach er über seine Ausbildung zum Zimmermann und darüber, wie sie ihn geprägt habe. „Mir war es wichtig, ein Backup zu haben, falls es im Sport nicht funktioniert oder mich eine Verletzung ausgebremst hätte.“
Medaillenspiegel (Sportler):
Unbeeindruckt vom Trubel
Mit 23 schlug Von Allmen als neuer „Speed-Komet“ in Saalbach ein und holte Gold in der Abfahrt und der Team-Kombination. Mit 24 ist er Triple-Olympiasieger. 2024/25 war seine erste volle Saison im Weltcup, wo er seitdem 44 Rennen absolviert und fünf davon gewonnen hat. Während dieser Winterspiele zeigte sich der Red-Bull-Athlet unbeeindruckt vom großen Trubel rund um seine Person. „Ich habe versucht, mich aufs Skifahren zu konzentrieren und nicht zu sehr zu verkopfen“, sagte Von Allmen nach dem geschafften Hattrick. „Heute habe ich probiert, noch einmal Spaß zu haben.“
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