Finanzielle Anreize

Mehr als doppelte Abfertigung bei Ausscheiden

Kärnten
26.07.2008 17:07
Mit finanziellen Anreizen will Infineon den Abbau von 370 Jobs in Villach ohne Kündigungen durchziehen. So wird bei freiwilligem Ausscheiden aus dem Betrieb weit über die doppelte Abfertigung geboten. Bei älteren Mitarbeitern sollen drei Jahre bis zum frühest möglichen Pensionszeitpunkt weitergezahlt werden.

"Es hat bisher keine betriebsbedingten Kündigungen gegeben und es wird keine geben, bis wir sehen, dass das freiwillige interne Sozialpaket nicht greift", erklärt Arbeiterkammer-Präsident Günther Goach, der bei Infineon im Betriebsrat sitzt. 

Kein Nachteil
Goach will darauf achten, dass den österreichischen Infineon-Mitarbeitern beim Sozialpaket gegenüber deutschen Kollegen kein Nachteil entsteht: "Wir werden uns sicher nicht gegeneinander ausspielen lassen!" Im Konzern werden ja insgesamt 3000 Arbeitsplätze abgebaut. 

Nicht überraschend
Für Landeschef Jörg Haider kommt der Job-Abbau nicht überraschend: "Mit Billigarbeitsplätzen in Asien sind wir nicht konkurrenzfähig." Er kündigt an, dass bis 2011 bei Infineon ein Kompetenzzentrum für die bessere Ausnutzung von Batterien entstehen soll: Bund und Land spendieren je 3,6 Millionen Euro.

Vergangenen Freitag wurde bekannt, dass Infineon 370 Mitarbeiter entlassen will. Davon gehören 120 zur Stammmannschaft, 250 sind Leiharbeiter. Die Jobs sollen bis 2009 abgebaut sein. 

Erst Ende Juni feierte Infineon die Inbetriebnahme eines neuen Forschungs- und Entwicklungsgebäudes. Von 380 neuen Arbeitsplätzen war die Rede. 

"Intelligentes Sparprogramm"
Die jetzige Hiobsbotschaft - Villach verliert zehn bis 15 Prozent seines Produktionsvolumens - kommt um so unerwarteter. Der Stellenabbau sei "schmerzhaft" so Vorstandschefin Monika Kircher-Kohl. Das "intelligente Sparprogramm" sei aber notwendig, um über die nächsten Marktschwächen der Halbleiter-Branche hinweg positive Ergebnisse zu schreiben. Kircher-Kohl: "Damit auch die Aktionäre etwas vom Unternehmenswert haben." Weltweit wird der Konzern 3000 Stellen streichen. 

Kündigungen vermeiden
In Villach will man Kündigungen auf jeden Fall vermeiden. Die Reduktion der Arbeitsplätze in der Produktion soll durch den natürlichen Abgang erfolgen. Die 250 Leiharbeiter werden abgebaut.

Drei Gründe für Einsparungen
Kircher-Kohl nennt drei Gründe für die Einsparungen: Die Verlagerung der Produktion nach Asien sowohl wegen der niedrigeren Lohnkosten als auch wegen des dort steigenden Umsatzes; die anhaltende Dollarschwäche gegenüber dem Euro; und der Umsatzrückgang, der im dritten Quartal 2008 um zwei Prozent unter dem des zweiten Quartals liege. Dazu komme, dass der Millionen-Verlust des zu Infineon gehörenden Speicherchip-Werks "Qimonda" in Dresden abgedeckt werden muss. 

Ohnehin geplant
Laut Kircher-Kohl sei es ohnehin geplant gewesen, Teile der Massenproduktion nach Asien zu verlagern. Das sei durch die wirtschaftliche Entwicklung - vor allem der US-Automarkt ist eingebrochen - beschleunigt worden. In Villach sind 2900 Mitarbeiter beschäftigt, davon derzeit 1950 in der Produktion. 

"Wir setzen schon länger auf einen Wandel
Von der Kündigungswelle nicht betroffen sein sollen die Forschungs- und Entwicklungabteilung in Villach sowie das IT-Service in Klagenfurt. Kircher-Kohl: "Wir setzen schon länger auf einen Wandel der Jobs hin zu Innovation."

von Waltraud Dengel/ Kärntner Krone

Symbolfoto

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