US-Wahlkampf

Spenden in Rekordhöhe – trotzdem kein Schwung

Ausland
11.07.2008 11:17
John McCain hat im Juni Spenden in der Rekordhöhe von 22 Millionen Dollar - umgerechnet 14 Millionen Euro - gesammelt, trotzdem hat der Präsidentenkandidat der US-Republikaner zurzeit nicht gerade viel zu lachen. Sein Wahlkampf ist ohne Schwung, interne Konflikte dringen nach außen, die Stimmung in den amerikanischen Medien bläst ihm ins Gesicht.

Jüngstes Beispiel: Die "New York Times" widmete McCain eine Geschichte auf der Titelseite, in der sie sich lang und breit mit nichts Anderem beschäftigt als mit seinen sprachlichen Schnitzern und rhetorischen Unzulänglichkeiten. Die wenig schmeichlerische Überschrift: "McCain kämpft mit seinem Widersacher, dem Teleprompter."

Für Sand im Getriebe des republikanischen Wahlkampfapparats sorgte auch McCains führender Wirtschaftsberater, Senator Phil Gramm. In einem Interview der "Washington Times" kritisierte er scharf, dass Amerika zu einer "Nation der Heulsusen" verkommen sei, weil ständig von einer drohenden Rezession und einem Verlust der Wettbewerbsfähigkeit gesprochen werde. Amerika befinde sich daher in einer "mentalen Rezession".

McCain distanziert sich von Wirtschaftsberater
Bei einem Wahlkampfauftritt in Michigan distanzierte sich McCain umgehend von diesen Äußerungen und sagte: "Ich stimme überhaupt nicht damit überein. Phil Gramm spricht nicht für mich." Man könne nicht sagen, dass jemand, der gerade seinen Arbeitsplatz verloren habe, nur weinerlich sei. "Amerika ist in großen Schwierigkeiten. Und wir stehen ebenso wie andere vor enormen wirtschaftlichen Herausforderungen."

Auch sonst hat McCain Probleme: Bisher hat der ehemalige Offizier, der aus einer traditionsreichen "Militärfamilie" stammt, ganz darauf gesetzt, sich als "sicherheitspolitischer Garant" zu präsentieren, als Hardliner, der die Truppen im Irak und Afghanistan zum Sieg führen wird. Doch die Wirtschaftskrise macht ihm einen Strich durch die Rechnung. Nicht der Irak bewegt die US-Amerikaner an erster Stelle, sondern die steigenden Benzinpreise, nicht Afghanistan interessiert, sondern das Fiasko auf dem Immobilienmarkt.

Hier hat es McCain schwer: Ohne Gnade erinnern ihn die Medien daran, dass er noch vor kurzem die Wirtschaftspolitik von Präsident George W. Bush gepriesen hat. McCain hat sich darauf festgelegt, dass die von Bush durchgesetzten Steuererleichterungen für Reiche festgeschrieben werden, tritt trotz weit verbreiteter Ängste vor Billigexporten ohne Wenn und Aber für Freihandel ein. Obama hat es leicht, von einer "dritten Amtszeit Bushs" zu sprechen, falls McCain die Präsidentenwahl am 4. November gewinnen sollte.

Duell alt gegen jung
Schon heute wird klar: Das Duell gegen Barack Obama, den 46 Jahre jungen Mann, der in Wahlkampfpausen Basketball spielt, wird auch zu einer Auseinandersetzung alt gegen jung werden. Schon wird Obama mit dem jungen John F. Kennedy verglichen, der 1960 als strahlender 43-Jähriger die Präsidentenwahl gewann - keine gute Aussicht für McCain, der nicht sonderlich telegen wirkt.

Steif und ungelenk sind seine Bewegungen, die 71 Jahre sind dem einstigen Bomberpiloten deutlich anzusehen. Jahrelange Kriegsgefangenschaft in Nordvietnam samt Folter haben ihn zusätzlich gezeichnet. Zudem ist sein Gesicht von Narben nach Krebsoperationen zerfurcht. McCain ist gewiss kein "jugendlicher 70-Jähriger", eher im Gegenteil.

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