Drogenrazzia
Polizei durchsucht 600 Wohnungen und Geschäfte
Die mutmaßlichen Haupttäter sind laut dem bayrischen Landeskriminalamt zwei Männer aus dem Großraum München und der Lüneburger Heide, die Suchtgift-Substanzen über das Internet verkauft haben dürften. Einer der beiden wird zudem verdächtigt, zur Herstellung von Sprengstoff geeignete Chemikalien in Umlauf gebracht zu haben.
Mit den verkauften Substanzen hätte man Speed bzw. Amphetamin herstellen können, teilten das bayerische Landeskriminalamt und die niedersächsische Polizei mit. Die beiden Händler sollen auch erhebliche Mengen Gamma-Butyrolacton (GBL) verkauft haben, das für Reinigungsmittel verwendet wird. Der Stoff wandelt sich im Körper von selbst in die Droge liquid XTC um. Die Chemikalie wird auch Vergewaltigungsdroge (rape-drug) genannt und nennt sich Gamma-Hydroxybutyrat (GHB). Sie kann starke Abhängigkeit verursachen und hat in Deutschland schon zu Todesfällen geführt.
Kleines Labor in der Steiermark entdeckt
Bei den drei Hausdurchsuchungen in Österreich war die Polizei nur in einem Fall fündig. In zwei Häusern in Niederösterreich und Kärnten wurde nichts Verdächtiges vorgefunden, so ein Sprecher des heimischen Bundeskriminalamts. In einem weiteren Gebäude in der Steiermark entdeckten die Ermittler hingegen ein kleines Küchenlabor. Die Utensilien in dem Kochraum würden von Kriminaltechnikern abgebaut und untersucht. Die Befragung des Verdächtigen sei noch im Gange.
Nach Angaben der Polizei in Lüneburg fanden die Durchsuchungen zumeist bei Kunden der beiden Internethändler statt. Es seien bereits mehrere Labors gefunden worden, so LKA-Sprecher Ludwig Waldinger. "In einem Objekt haben wir einen Lastwagen gebraucht zum Abtransport der sichergestellten Chemikalien." Die Schweizer Polizei führte in insgesamt 17 Kantonen Hausdurchsuchungen und Befragungen durch.
Kriminalisten ermittelten bereits seit Monaten
Die Ermittlungen erstrecken sich auf Verdächtige in weiteren europäischen Nachbarstaaten. Der Online-Shop habe auch außerhalb Österreichs, Deutschlands und der Schweiz Abnehmer gehabt, hieß es bei der deutschen Polizei. Der Internethändler aus Niedersachsen selbst unterhalte in der südlichen Lüneburger Heide ein Warenlager und eine Verkaufsstelle. Die Kriminalisten ermittelten bereits seit Monaten gegen die Verdächtigen und ihre Kunden, zwei Ermittlungsverfahren wurden eröffnet.
Die vertriebenen Chemikalien fallen nicht unter das Betäubungsmittelgesetz, wohl aber die Produkte, die man daraus herstellen könne, so die Ermittler. Der Reinigungsmittel-Stoff GBL, aus dem liquid XTC entsteht, wird in Deutschland nur vom Chemiekonzern BASF hergestellt. Um Missbrauch zu vermeiden, melde das Unternehmen private Käufer an die Behörden. Über genaue Ergebnisse der Razzia wollen Polizei und Staatsanwaltschaften am Donnerstag informieren.
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