Ausländerhass
Über 30.000 Menschen aus Südafrika geflohen
Die Gewalt gegen Ausländer erreichte inzwischen aber auch Kapstadt, die zweitgrößte Stadt Südafrikas. Im Vorort Milnerton plünderten Jugendliche nach Angaben der Polizei Geschäfte von Händlern aus Somalia und Simbabwe. Bei den Überfällen fielen auch Schüsse. Polizisten eskortierten die Händler daraufhin aus der Gefahrenzone. Auch in der Stadt Knysna an der Südwestküste wurden somalische Läden leergeräumt. "Wir kennen die exakte Zahl der geplünderten und niedergebrannten Geschäfte nicht, aber es waren viele", sagte der Polizeichef der Westkap-Provinz, Billy Jones. Ein Somalier sei gestorben, aber ob der Tod mit den Attacken in Verbindung stehe, sei ungeklärt.
Militäreinsatz gegen die Gewalttäter
Um der Gewalt Einhalt zu gebieten, hat Präsident Thabo Mbeki erstmals seit dem Ende der Apartheid vor 14 Jahren einem Militäreinsatz im Inneren zugestimmt und damit den Ernst der Lage unterstrichen. Bei den seit mehr als einer Woche andauernden fremdenfeindlichen Angriffen hat es mindestens 43 Tote gegeben. Wenigstens 30.000 Menschen wurden aus ihren Häusern vertrieben. Viele der verfolgten Ausländer - allen voran Flüchtlinge aus Simbabwe, Mosambik und Malawi - haben in Notunterkünften Schutz gesucht. Die Südafrikaner in den Elendsvierteln werfen den Einwanderern vor, ihnen Arbeit und Wohnraum wegzunehmen.
Militäreinsatz höchst umstritten
Während die oppositionelle Demokratische Allianz (DA) den Einsatz des Militärs als überfällig begrüßte, erklärte die Inkatha-Freedom-Partei (IFP), sie billige die Maßnahme nur unter Auflagen. Auch die Gewerkschaft SANDU rügte, dass Soldaten für militärische, nicht aber für Sicherheitsaufgaben ausgebildet worden seien. Ihr Einsatz im Innern sei "moralisch, vor dem Gesetz und politisch nicht zu vertreten", erklärte ein Gewerkschaftssprecher. Im Großraum Johannesburg blieb es nach Mbekis Ankündigung über den Militäreinsatz relativ ruhig, während in Durban und in Townships der Provinz Mpumalanga erneut Ausländer angegriffen wurden. Bei Pretoria wurden afrikanische Ausländer auf Flugblättern bis Freitag zum Verlassen der Township Ga-Rankuwa aufgerufen. Nach unbestätigten Berichten waren auch die Orte Brits und Secunda betroffen.
Wirtschaftliche und politische Stabilität bedroht
Die beispiellose Gewaltwelle ist dabei, Südafrikas Reputation als Bastion wirtschaftlicher und politischer Stabilität in Afrika zu zerstören. Nun bedroht sie zunehmend die Förderung lukrativer Rohstoffe wie Gold: Das Goldminen-Unternehmen DRD Gold teilte am Donnerstag mit, es verzeichne Verluste in Primrose bei Johannesburg, wo am Wochenende einige der schlimmsten Ausschreitungen stattfanden. Sprecher James Duncan sagte, dort seien 38 Prozent der Arbeiter Ausländer. "14 Prozent davon kamen am Montag nicht zur Arbeit, bis Mittwoch verschlimmerte sich das auf 60 Prozent", sagte er. "Je länger die Gewalt anhält, umso größer wird die Auswirkung auf die Produktion sein", warnte er.
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