Kinder in Kühltruhe

Erste Leiche obduziert: Baby kam lebend zur Welt

Ausland
06.05.2008 18:16
Mindestens eines der drei neugeborenen Mädchen, die tot in einer Tiefkühltruhe im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen gefunden wurden, ist lebend geboren worden. Das Mädchen sei lebensfähig gewesen, berichtete die Staatsanwaltschaft Siegen am Dienstag nach einer Obduktion im Rechtsmedizinischen Institut in Dortmund.

Die Mediziner haben keine Anzeichen äußerer Gewalteinwirkung und keine Missbildungen gefunden. Toxikologische und feingewebliche Untersuchungen zur weiteren Bestimmung der Todesursache stehen noch aus. Die beiden anderen Kinderleichen sollen am Mittwoch obduziert werden.

44-jährige Mutter festgenommen
Die 44-jährige Mutter von drei erwachsenen Kindern aus dem Wendener Ortsteil Möllmicke wurde am Sonntag unter dem Verdacht des Totschlags festgenommen. Die Frau steht im Verdacht, die Babys bereits Ende der 80er Jahre zur Welt gebracht, in Plastiktüten verpackt und eingefroren zu haben.

Frau erstattete Selbstanzeige
Die Frau war am Sonntagabend mit ihrem 47-jährigen Mann und der 24-jährigen Tochter auf der Polizeiwache erschienen und hatte Selbstanzeige erstattet, nachdem ihr Sohn sie zur Rede gestellt hatte. Die korpulente Frau habe ihre Schwangerschaften ersten Ermittlungen zufolge sowohl vor der Familie als auch vor den Nachbarn verborgen gehalten, sagte der Leiter der Mordkommission, Herbert Fingerhut, am Montag in Siegen. "Es kling unglaubwürdig, aber es gibt Beispiele, dass so etwas durchaus möglich ist", sagte der Ermittler.

Die Tatverdächtige habe in ihren ersten von Weinkrämpfen unterbrochenen Aussagen mehr oder weniger eingeräumt, die Kinder zur Welt gebracht und später in der Tiefkühltruhe deponiert zu haben, sagte der Ermittler Martin Feldmann. Sie stehe aber unter Schock und befinde sich inzwischen in psychiatrischer Behandlung.

Geheimnis nur durch Zufall gelüftet
Das dunkle Geheimnis war am Samstagnachmittag durch Zufall gelüftet worden. Als die Eltern über das Wochenende zu einem Kurzausflug in den Schwarzwald aufgebrochen waren, wollten der 18-Jährige und seine 24 Jahre alte Schwester eine Pizza aus der Tiefkühltruhe in der Waschküche nehmen. Dabei stellten sie fest, dass bei vielen eingelagerten Lebensmitteln die Haltbarkeitsdauer bei weitem - teilweise um Jahre - abgelaufen war. Sie beschlossen, die Tiefkühltruhe aufzuräumen. Dabei stieß der 18-Jährige am Boden der Tiefkühltruhe auf drei gleich aussehende Pakete. Als er eines davon öffnete, sah er den Kopf und den Arm eines in ein Handtuch eingewickelten Babys.

Nach ihrer grausigen Entdeckung warteten die Kinder noch einen Tag lang die Rückkehr ihrer Eltern ab und stellten sie zur Rede. Daraufhin seien dann Vater, Mutter und die Tochter bei der Polizei erschienen, sagte Fingerhut.

Familie wird psycholgisch betreut
Die ganze Familie sei geschockt und traumatisiert und werde psychologisch betreut, berichteten die Ermittler. Es handle sich um eine "ganz normale, gutbürgerliche Familie", betonte die Polizei. Die Mutter sei 44 Jahre alt, der Mann, ein Elektriker, drei Jahre älter. Zwei Söhne im Alter von im Alter von 18 und 23 Jahren wohnen noch im Haus. Die 24-jährige Tochter studiere. Die Familie lebe seit 1984 in ihrem Einfamilienhaus und sei gut in die Gemeinschaft integriert.

Der Bürgermeister der 20.000-Einwohner-Stadt, Peter Brüser, zeigte sich entsetzt über die Ereignisse. "Ich bin jetzt 14 Jahre Bürgermeister, und das ist bestimmt der schlimmste Tag, den ich erleben musste", sagte er. "Wir werden hier lange brauchen, das zu verarbeiten." Die Familie sei hilfsbereit und unauffällig gewesen. "Niemand hätte sich im entferntesten vorstellen können, dass da noch etwas anderes ist." Die Menschen im Dorf stünden unter Schock: "Man hat immer wieder gelesen, dass so etwas passiert in der Welt. Aber das war ganz weit weg, und jetzt ist es mitten in der Gemeinschaft", sagte der Bürgermeister.

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