Als mildernd wurde das Geständnis der Beschuldigten gewertet, als erschwerend die Vielzahl der Taten und der lange Zeitraum, in dem sie ausgeführt wurden. Zwischen Oktober 2004 und September 2008 soll das Ehepaar jährlich bei rund 20 Esoterikmessen die Dienste der Frau angeboten haben.
Sie hatten behauptet, die Frau könne durch Hand-, Karten- und Kaffeesudlesen sowohl in die Vergangenheit als auch in die Zukunft blicken. Außerdem könne sie durch Handauflegen Blockaden lösen. Pro Behandlung wurden bis zu 2.000 Euro verlangt. Aufgeflogen sind die beiden durch verdeckte Ermittler des Innenministeriums.
"Niemand wollte sein Geld zurück"
"Ich habe keine übersinnlichen Fähigkeiten", gestand die Frau gleich zu Beginn der Verhandlung. "Es tut mir leid." Sie gab auch zu, Druck ausgeübt und Drohungen ausgesprochen zu haben. So habe sie Schicksalsschläge oder Unfälle in der Familie angekündigt, sollten die Betroffenen ihre Dienste nicht in Anspruch nehmen. Die meisten Leute hätten sich nachher aber besser gefühlt. "Niemand hat sein Geld zurückverlangt", meinte die Frau.
Der Ehemann, ebenfalls ein gebürtiger Deutscher, soll seine Frau bei ihrer Arbeit unterstützt haben. Er attestierte ihr zu Beginn seiner Einvernahme allen Ernstes noch übersinnliche Fähigkeiten. Als er mit ihrem Geständnis konfrontiert wurde, gab auch er den Schwindel zu. Er bekannte sich ebenfalls schuldig.
Zeugin zahlte 17.000 Euro - trotzdem: "Fluch ist beseitigt"
Für Überraschung sorgte eine "Belastungszeugin", die 17.000 Euro an das Paar gezahlt haben soll. Die 60-Jährige blieb selbst nach dem Geständnis der "Hellseherin" dabei: Seit der Behandlung seien viele ihrer Probleme gelöst, Schmerzen von Verwandten seien verschwunden. "Der Familienfluch ist beseitigt", sagte die Frau.
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