"Der Blauflossenthunfisch im Mittelmeer stirbt aus, während wir reden. Trotzdem will die Fischindustrie wieder zum Tagesgeschäft übergehen", sagte Sergi Tudela vom WWF-Mittelmeerprogramm.
Der Studie zufolge hat sich das Gewicht eines fortpflanzungsfähigen Blauflossenthunfischs seit den 90er-Jahren quer durch das ganze Mittelmeer etwa halbiert. So sei das Durchschnittsgewicht eines vor der libyschen Küste gefangenen Tiers von 124 Kilogramm im Jahr 2001 auf 65 Kilogramm 2008 gefallen. Vor Beginn des industriellen Fischfangs im großen Stil hätten manche Exemplare bis zu 900 Kilogramm erreicht.
Der Schwund dieser Riesenthunfische habe einen überproportional großen Einfluss auf die Fortpflanzung, weil sie deutlich mehr Nachwuchs zeugen als durchschnittliche Tiere. Auch sei der Anteil der zeugungsfähigen Tiere 2007 nur noch ein Viertel so hoch gewesen wie 50 Jahre zuvor.
Fangzahlen deutlich über den offiziellen Quoten
Zu dem drastischen Rückgang der Bestände beigetragen haben nach WWF die Überkapazitäten der Fischfangflotten, die deutlich über den offiziellen Fangquoten liegenden tatsächlichen Fangzahlen, illegale Fangzüge, der unerlaubte Einsatz von Erkundungsflugzeugen und das Fischen außerhalb der Fangsaison.
WWF fordert sofortiges Fangverbot
Damit sich die Bestände im Mittelmeer wieder erholen können, mahnt der WWF zu einem sofortigen Fangverbot. Nur ein kompletter Stopp im Mai und Juni kann nach Einschätzung des WWF und anderer Organisationen den Erhalt der Art garantieren. Dann ziehen die Tiere durch die Straße von Gibraltar, um im Mittelmeer zu laichen.
EU kürzt Fangquoten
Die EU hat überraschenderweise umgehend reagiert und die Fangsaison in diesem Jahr verkürzt. Die am Donnerstag beginnende Saison werde am 15. Juni enden, zwei Wochen früher als ursprünglich geplant, verlautete am Mittwoch aus EU-Kreisen. Zugleich verringere die EU-Kommission die erlaubten Fangquoten und die Zahl der zum Fang zugelassenen Schiffe.
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