2011 rund 3.000 Fälle

Wien: Zahl der Obdachlosen steigt immer weiter

Wien
01.12.2011 16:55
Im Jahr 2010 haben sich mit rund 3.000 Menschen, die keinen Schlafplatz hatten, so viele Personen mit Wohnproblemen wie noch nie an die Caritas gewandt. 2009 waren noch 2.600 Personen von Obdachlosigkeit betroffen, wie Caritas-Direktor Michael Landau am Donnerstag in den Räumlichkeiten des Obdachlosen-Betreuungszentrums Gruft unter der Mariahilfer Barnabitenkirche berichtete. Auch für das heurige Jahr sei keine Entspannung zu erwarten.

Ein Drittel derjenigen, die sich 2010 wegen Wohnproblemen an die Caritas wandten, war unter 30 Jahre alt. Insgesamt wurden 22.908 Nächtigungen in der Gruft verzeichnet, die heuer ihr 25-Jahr-Jubiläum feiert. Derzeit schlafen pro Nacht rund 70 Personen in den Räumlichkeiten.

"Können sich warme Mahlzeit nicht leisten"
Auch die Nachfrage nach warmen Mahlzeiten in der Gruft wird immer größer: 2010 wurden 87.670 Speisen ausgegeben - mehr als je zuvor. Vor zehn Jahren seien es noch 58.500 gewesen. Im heurigen Jahr erwartet die Caritas einen weiteren Anstieg auf rund 90.000 Mahlzeiten. "Viele, die hierher kommen, haben noch eine Wohnung, können sich aber die warme Mahlzeit nicht leisten", erklärte Landau. 

Er forderte die Politik auf, "bei den notwendigen Sparmaßnahmen die sozial Schwächsten besonders im Auge zu behalten". Es brauche Fairness und Gerechtigkeit, damit aus der Wirtschaftskrise nicht eine soziale Krise resultiere. Obdachlosigkeit könne jeden treffen, mahnte er: "Wir sehen, dass es oft sehr rasch gehen kann, dass Menschen den Boden unter den Füßen verlieren." Auslöser für eine Spirale abwärts könnten der Verlust der Arbeit, eine Erkrankung oder auch das Zerbrechen einer Beziehung sein.

"Gruft-Winterpaket" für Menschen auf der Straße
Durch den Anstieg der Hilfesuchenden steigt auch der Bedarf an finanziellen Mitteln. "Schon kleine Spenden machen einen großen Unterschied", betonte Landau. Diesen Winter haben Österreicher die Möglichkeit, mit einem "Gruft-Winterpaket" um 50 Euro zu helfen. Damit werden ein schneefester Schlafsack und warmes Essen für einen Menschen auf der Straße finanziert. Nach Schätzungen der Caritas-Streetworker schlafen derzeit Hunderte Obdachlose in Wien trotz zunehmender Kälte im Freien.

Landau betonte, dass die Türen der Gruft jedem, auch Ausländern, offen stehen: "Wir weisen niemanden ab." Laut Gesetz hätten Ausländer - so wie in allen anderen Obdachloseneinrichtungen der Stadt - kein Recht auf einen Schlafplatz. Es gibt jedoch eine "zweite Gruft" im Bezirk Neubau, die speziell für EU-Ausländer gedacht ist - an diese würde auch gezielt verwiesen werden.

Seit mittlerweile 25 Jahren dient die Gruft als Zufluchtsort für wohnungslose Männer und Frauen. Bis Anfang 2013 soll sie um ein Tageszentrum im Pfarrhof erweitert werden. Einige Anrainer hatten aus Sorge um die Bäume im Pfarrhof Widerstand gezeigt. Landau betonte, dass die Sorge ernst genommen werde: "Wir sind dazu im Gespräch mit den Anrainerinnen und Anrainern." Er, Landau, habe aber den Eindruck, dass die Gespräche sehr gut und konstruktiv verlaufen: "Ich bin daher zuversichtlich, dass wir zu einer guten Lösung kommen werden." Es solle möglichst viel Grün erhalten bleiben, versicherte er. In den bisherigen Räumen unter der Kirche soll künftig nur mehr geschlafen werden.

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