Tod an Spätfolgen

USA: Mordanklage kommt 42 Jahre nach Schuss

Ausland
29.02.2008 12:18
Er verbrachte 20 Jahre im Gefängnis, löhnte Tausende Dollar Schmerzensgeld - und trotzdem soll der heute 71-jährige William Barnes (Foto links) ein weiteres Mal dafür büßen, dass er 1966 einen Polizeibeamten angeschossen hat. Sein damaliges Opfer sei an den Spätfolgen der Schussattacke, die den zum Tatzeitpunkt 22-jährigen Mann für den Rest seines Lebens an den Rollstuhl fesselte, gestorben, argumentierte der Staatsanwalt im US-Bundesstaat Pennsylvania. Nach mehrmonatigem Gezanke gab ein Richter dem Verfahren nun statt.

Walter Barcley (Foto von 1966 rechts oben), der ehemalige Polizeibeamte, den Barnes zum Krüppel schoss, starb im August 2007 im Alter von 64 Jahren an einer Blaseninfektion, die er laut Staatsanwalt nur dadurch bekommen habe, weil er an den Rollstuhl gefesselt war. Einen Autopsiebericht konnten die Staatsanwälte nicht vorlegen, allerdings gibt es Aussagen von Ärzten, die die mutmaßliche Todesursache bestätigen. Barcley ist bereits beerdigt worden. 

Dass Richter Bradley Moss einem Verfahren zustimmte, ist eine einzigartige und ungewöhnliche Entscheidung. Er betonte, dass in der Geschichte der USA noch kein Verbrecher so lange nach einer Verletzung wegen Mordes angeklagt wurde, trotzdem setzte Moss den ersten Gerichtstermin für den 19. März an.

Anwälte: "Todesursache nicht eindeutig"
Barnes, der nach dem Tod seines damaligen Opfers - es war die einzige Schussattacke des heute 71-Jährigen, die er dem Polizeibeamten zugefügt hatte, als ihn dieser bei einem Einbruch überraschte - sofort in Untersuchungshaft kam, zeigte sich erbost über die Zulassung der Anklage. Er habe seine Strafe verbüßt. 

Seine Anwälte argumentierten hingegen damit, dass nicht gesagt sei, dass Barcley wirklich an den Spätfolgen der Schussverletzung, die ihn querschnittsgelähmt machte, starb. Er habe in den letzten 42 Jahren unter anderem zwei Autounfälle gehabt, bei denen er ebenfalls Verletzungen mit Spätfolgen davongetragen habe.

Arzt schrieb "Mord" in Totenschein
Losgetreten hat den Mord-Prozess der Arzt und Gerichtssachverständige, der Barclays Totenschein ausstellte. Der Mann kannte offenbar die Hintergrundgeschichte des Ex-Polizisten und verzeichnete beim Punkt Todesursache Mord.

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