Ölpestbekämpfung
US-Regierung droht BP jetzt offen mit Konsequenzen
"Wenn wir herausfinden, dass sie nicht das tun, was sie vorgeben zu tun, dann werden wir BP in geeigneter Weise aus dem Weg drängen." Dabei ließ Salazar offen, wann dies tatsächlich passieren oder was der Auslöser dafür sein könnte. Im Übrigen habe sich BP bereiterklärt, mehr als die 75 Millionen Dollar (umgerechnet 60 Millionen Euro) zur Säuberung der US-Küsten zu bezahlen, die bisher im US-Gesetz als Höchstgrenze genannt sind. "Dies ist eine existenzielle Krise für eines der größten Unternehmen der Welt", sagte der verärgerte Innenminister zudem. Er spielte damit offensichtlich auf die immensen Kosten an, die auf BP für Reinigungsarbeiten und Schadenersatz zukommen könnten. Experten zufolge geht es um Milliarden-Beträge.
Obama: "Ausfall der Verantwortlichen"
US-Präsident Barack Obama hatte sich bereits am Samstag so scharf wie nie zuvor über das Unglück geäußert und von einem "Ausfall der Verantwortlichkeiten" gesprochen. Dabei hatte er namentlich BP genannt, aber auch die Firmen Halliburton und Transocean. "Wir werden die relevanten Firmen zur Verantwortung ziehen. Nicht nur dabei, die Fakten im Zusammenhang mit dem Leck transparent zu machen, sondern auch dabei, das Leck zu schließen, die angerichteten Schäden zu reparieren und die Amerikaner auszuzahlen, die einen finanziellen Schaden erlitten haben."
Transocean ist ein Ölbohrkonzern aus der Schweiz, den BP als Betreiber der gesunkenen Anlage angeheuert hatte. Der US-Konzern Halliburton hatte vor dem Unglück Zementarbeiten am Bohrloch vorgenommen. Bei einer Anhörung im US-Kongress Mitte Mai hatten sich die drei Firmen gegenseitig die Schuld für die Katastrophe gegeben.
Ölplattform nach Explosion gesunken
Mitte April war im Golf von Mexiko die BP-Bohrplattform "Deepwater Horizon" nach einer Explosion gesunken. Seitdem strömen täglich große Mengen Öl aus dem Bohrloch in rund 1.600 Metern Tiefe ins Meer. Anfangs war von etwa 160.000 Litern am Tag die Rede, später von rund 800.000 Litern. Einige Experten halten sogar eine weit größere Menge für wahrscheinlich. Seit kurzem saugt BP Öl am Unglücksort ab. Zwischendurch war dabei von 5.000 Barrel (795.000 Liter) pro Tag die Rede, am Sonntag sprach BP von aktuell 1.360 Barrel. Es ist also völlig unklar, wie viel Öl weiter ins Meer strömt. BP versucht auch, das Loch zu schließen. Die Informationspolitik des Konzerns wurde zuletzt immer schärfer kritisiert. BP wird dabei auch vorgeworfen, das Ausmaß der Ölpest herunterzuspielen und zu vertuschen.
Großteil des Öls offenbar unter Wasseroberfläche
Ein Teil des ausgetretenen Öls ist offenbar unter der Meeresoberfläche, da eine gigantische Verschmutzung der US-Südküste bisher ausblieb. Allerdings sind bereits zahlreiche Naturschutzgebiete betroffen und Fachleute schließen nicht aus, dass Öl über Strömungen auch nach Florida, Kuba und die US-Ostküste kommt. Manche Experten gehen davon aus, dass die USA vor der größten Umweltkatastrophe ihrer Geschichte stehen.
Was passieren würde, wenn die Regierung BP ausschließt, ist unklar. Die Regierung selbst könne das Problem nicht lösen, da die gesamte Technologie für einen Bohrlochverschluss bei BP und der Industrie liege, sagte der Chef der Küstenwache, Admiral Thad Allen, am Sonntag - bevor Salazar BP den Rauswurf androhte. Der wachsenden Kritik an BP-Chef Tony Hayward schloss sich Allen nicht an. "Ich vertraue Tony Hayward. Wann immer ich mit ihm spreche, bekomme ich auch eine Antwort." Allen leitet für die USA die Maßnahmen im Kampf gegen das austretende Öl.
Iran bietet USA erneut Hilfe an
Unterdessen bot der Iran den USA am Sonntag erneut Hilfe an. Es sei keine große Sache, das Leck am Bohrloch zu schließen, sagte ein hochrangiger Manager der nationalen iranischen Ölbohrgesellschaft. Der Iran selbst habe damit schon zu tun gehabt, vor allem nach der Bombardierung von Ölplattformen während des Kriegs mit dem Irak in den 80er Jahren. Die USA werden die Hilfe aber kaum annehmen, sind sie doch mit dem Iran seit der Islamischen Revolution 1979, der späteren Geiselnahme in der US-Botschaft in Teheran im Dauerstreit und in den letzten Jahren in Konflikt mit dem Iran über dessen umstrittenes Atomprogramm.
Trotz der Ölpest schließt Präsident Obama weitere Bohrungen in der Tiefsee nicht aus, da der Golf von Mexiko für die US-Energieversorgung wichtig ist. Die Bohrungen in der Tiefe könnten aber nur fortgesetzt werden, wenn klar sei, dass sich ein solches Unglück nicht wiederhole, sagte er.







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