Konflikt im Kongo

UNO gibt Versäumnisse nach sexueller Gewalt zu

Ausland
08.09.2010 09:40
Die Vereinten Nationen haben Versäumnisse ihrer Blauhelme im Zusammenhang mit den Massenvergewaltigungen im Kongo eingeräumt. "Unsere Maßnahmen waren nicht angemessen", gab der Sprecher der UN-Friedensmissionen, Atul Khare, am Dienstag vor dem Weltsicherheitsrat zu. "Wir müssen mehr tun." Rebellen hatten im August bei mehrere Überfällen im Osten des Landes Hunderte Frauen, oft vor den Augen ihrer Kinder und Ehemänner, vergewaltigt.

Die Vereinten Nationen hätten "die kollektive Verantwortung" dafür, dass die Massenvergewaltigung nicht rechtzeitig gestoppt wurden, sagte auch die UN-Sonderbeauftragte gegen sexuelle Gewalt in bewaffneten Konflikten, Margot Wallström. Khare hat als Beigeordneter Untergeneralsekretär der UN den Rang eines Staatssekretärs.

Angst vor Rache 
Rebellen hätten bei einem viertägigen Angriff auf Dörfer im Osten des Landes Anfang August mindestens 242 Frauen mehrfach vergewaltigt, sagte Khare den 15 Ratsmitgliedern bei einer offenen Sitzung. Unter den Opfer seien auch 20 Kinder gewesen. Blauhelmsoldaten, die in der Nähe stationiert waren, wurden von den Dorfbewohnern offensichtlich aus Angst vor Racheakten nicht herbeigerufen, sagte Wallström. In der Region Walikale habe es keine Verbindung für Mobiltelefone gegeben und der Funkverkehr sei unzuverlässig, räumte Khare ein.

Inzwischen habe die UN-Mission Maßnahmen zur Verbesserung der Kommunikation eingeleitet. Außerdem seien die Blauhelmsoldaten angewiesen, bei ihren Patrouillen in den besonders gefährdeten Regionen Standardfragen zu stellen und die Kontakte mit der Bevölkerung zu intensivieren.

Terror gegen Zivilbevölkerung
Für die laut Wallström "systematischen" Vergewaltigungen werden Milizen der "Demokratischen Kräfte zur Befreiung Ruandas" (FDLR) und kongolesische Mai-Mai-Rebellen verantwortlich gemacht. Die FDLR ist eine Miliz von Hutus, die 1994 nach dem Völkermord in Ruanda in das damalige Zaire (heute Kongo) geflohen waren. Viele von ihnen waren in den Massenmord an 800.000 Tutsi und gemäßigten Hutu in Ruanda verstrickt.

Im Kongo gehört die Miliz zu den berüchtigtsten der verschiedenen Rebellengruppen, die die Bevölkerung dort terrorisieren. Ein bisher unveröffentlichter UN-Bericht, dessen Entwurf der Presse zugespielt worden war, beschreibt 600 Gräueltaten, die zum großen Teil von ruandischen Hutu-Milizen begangen wurden. Das Papier soll auch Ruandas Regierung schwere Vorwürfe im Zusammenhang mit den Gewalttaten machen. Am Mittwoch will UN-Generalsekretär Ban Ki Moon mit dem ruandesischen Präsidenten Paul Kagame zu Gesprächen in Kigali zusammenkommen. Ban war am Dienstag überraschend nach Ruanda gereist.

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