"Das war ein moralischer Fehler und ich bin nicht stolz darauf", sagte "DSK", wie er in Frankreich genannt wird. Sein Fehler habe sowohl seine Frau, die französische Star- Journalistin Anne Sinclair, als auch seine Kinder und seine Landsleute getroffen.
Aus den Präsidentschafts- Vorwahlen seiner sozialistischen Partei, die im Oktober stattfinden, will sich der frühere Finanzminister heraushalten. "Es ist nicht meine Rolle, mich da einzumischen". Einen Rückzug aus der Politik kündigte er nicht an. Er wolle sich "ausruhen" und "Zeit zum Nachdenken" haben, sagte er.
Strauss- Kahn, der angespannt wirkte, hatte den Bericht des US- Staatsanwalts mit ins Fernsehstudio gebracht, auf den er wiederholt verwies. Aus dem Dokument gehe hervor, dass es beim Sex mit dem Zimmermädchen Nafissatou Diallo keine Gewaltanwendung gegeben habe.
Die US- Justiz hatte das Strafverfahren wegen versuchter Vergewaltigung Ende August eingestellt, da sie Zweifel an der Glaubwürdigkeit Diallos hatte. Es ist allerdings erwiesen, dass der frühere IWF- Chef "sieben bis neun Minuten" Sex mit der Hotelangestellten hatte, bevor er mit seiner Tochter zu Mittag aß.
Die Reaktion der Frauen auf die Geschehnisse in der Suite des Luxushotels Sofitel verstehe er. "Ich habe Respekt vor den Frauen", versicherte Strauss- Kahn, gegen den vor dem Sendegebäude von TF1 rund fünfzig Frauenrechtlerinnen demonstrierten. "Ich habe dafür bezahlt und ich bezahle immer noch dafür."
In Frankreich liegt ebenfalls eine Anzeige gegen Strauss- Kahn wegen versuchter Vergewaltigung vor. Die Schriftstellerin Tristane Banon wirft ihm vor, 2003 bei einem Interview über sie hergefallen zu sein. Strauss- Kahn sprach von einer "eingebildeten Version". Laut Ermittlungskreisen gab der 62- Jährige einen Annäherungsversuch zu, allerdings ohne Gewaltanwendung.
Banons Mutter, die sozialistische Lokalpolitikerin Anne Mansouret, kritisierte nach dem Interview, Strauss- Kahn habe eine "dramaturgische Lehrstunde" abgehalten, ohne etwas zu erklären. Auch bei Frankreichs Feministinnen fand Strauss- Kahn wenig Gnade. Sein TV- Auftritt sei "jämmerlich" gewesen, eine "Inszenierung" und einem "großen PR- Plan", den der Politiker nach der Affäre nun umsetze. so die harsche Kritik.
Dem TV- Sender TF1 bescherte das erste Fernsehinterview des früheren IWF- Chefs jedenfalls Traumquoten. Rund 13,4 Millionen Menschen und damit 47 Prozent aller französischen Fernsehzuschauer schalteten um 20 Uhr die Nachrichten des Senders ein, um den Auftritt des 62- Jährigen zu sehen. Zuletzt saßen am 7. November 2005 so viele Menschen vor den Nachrichten, als die Vorstadtkrawalle in Frankreich ihren Höhepunkt erreicht hatten.