"Bin gut bestückt"

Pfarrer bietet Liebesdienste via Internetannonce an

Ausland
26.02.2010 09:33
Während seiner einjährigen Amtszeit in zwei Dörfern bei Toledo in Mittelspanien hatte ein 27-jähriger Pfarrer rasch die Sympathien der Bewohner gewonnen. Er galt als guter Geistlicher. Doch was seine Schäfchen nicht ahnten: Der Geistliche offerierte in Annoncen seine Dienste als Liebesdiener und plünderte die Gemeindekasse, um sich Telefonsex leisten zu können.

Das Doppelleben des Pfarrers schockt nicht nur die 800-Seelen-Gemeinde Noez und das Nachbardorf Totanes, in denen der 27-Jährige seinen Dienst verrichtete. Ganz Spanien redet mittlerweile über den sexsüchtigen Pfarrer. Er hatte nicht nur die Messe zelebriert, die Beichte abgenommen und Religionsunterricht erteilt, sondern auch im Internet sexuelle Dienste angeboten. Für seine Sex-Annoncen posierte er unter dem Decknamen "Hector" in seinem Wohnzimmer - nur mit einer Unterhose bekleidet und mit eingezogenem Bauch.

"Deinem Glück zu Diensten", pries er sich Frauen und Paaren in Internet-Anzeigen an. "Ich bin gut ausgestattet", schrieb der Pfarrer und er sei für alles offen, "außer für Sado-Sex". Für 15 Minuten verlangte er 50 Euro, für eine Stunde 120 Euro. Allzu viel scheint der Geistliche jedoch nicht verdient zu haben; denn sonst hätte er kaum die Kasse der Kirchengemeinden plündern müssen. Er steht im Verdacht, Spenden in Höhe von 17.000 Euro unterschlagen und für Telefon-Sex ausgegeben zu haben, wie spanische Zeitungen berichteten. Außerdem versuchte er, ein Gemälde aus dem 17. Jahrhundert, das der Dorfkirche von Noez gehörte, für 9.000 Euro im Internet zu verkaufen. Das Vorhaben misslang jedoch.

Bischof wollte sexuelle Verfehlungen des Pfarrers vertuschen
Der Erzbischof von Toledo und Primas der katholischen Kirche in Spanien, Braulio Rodriguez, setzte den 27-Jährigen als Gemeindepfarrer ab. Die Kirche begründete dies mit "finanziellen Unregelmäßigkeiten". Die sexuellen Aktivitäten des Geistlichen ließ sie unerwähnt.

Viele Dorfbewohner reagierten mit Verblüffung und Empörung auf die Enthüllungen. "Da sind wohl ziemliche Schweinereien aus dem Internet zutage getreten", sagte ein Pensionist in der Dorfbar. "Vom Internet hat unsereins hier keine Ahnung." Andere äußerten sich weniger überrascht. "Gewisse Gerüchte waren schon vorher im Umlauf gewesen", berichtete die Dorfbürgermeisterin Yolanda Sanchez. Der abgesetzte Pfarrer ging erst einmal auf Tauchstation. Wie es heißt, soll er sich auf Anraten der Kirche in psychiatrische Behandlung gegeben haben.

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