Junge Muslime als Sittenpolizei in London unterwegs

22.01.2013, 12:29
Foto: YouTube.com / Video: YouTube.com
Wer in manchen Teilen Londons des Nachts angetrunken unterwegs ist oder sich als Frau nicht zugeknöpft genug bewegt, könnte ins Visier der "Muslim Patrol"  (Moslem- Patrouille) geraten. Die Gruppe bisher unbekannter muslimischer Jugendlicher sorgt mit YouTube- Videos (oben klicken) für Aufregung, in denen Passanten bedrängt und von Moscheen weggescheucht werden. Andere Muslime kritisieren die "Reste vom verrückten Rand".

"The Truth About Saturday Night" - "Die Wahrheit über Samstagnacht", so nennt die "Muslim Patrol" eines ihrer Videos. Darin sind zahlreiche Passanten zu sehen, denen die Jugendlichen in "ihrem" muslimischen Viertel Alkohol verbieten und sie verjagen.

Ein junges Mädchen im Minirock (aber ansonsten warm eingepackt) bekommt zudem zu hören, sie dürfe sich in der Nähe einer Moschee nicht derart kleiden. Ihren empörten Einwurf, dies sei schließlich Großbritannien und dass Frauen hier Rechte hätten, übertönt der Kommentator und Filmer des Videos - die Bürgerwehr werde den Islam durchsetzen. Wer Gott nicht gehorche, werde nicht respektiert.

Alkohol und unverhüllte Frauen als Angriff auf Scharia

Das Ende vom Lied: Die derart Bedrängten suchen das Weite, die muslimischen Jugendlichen präsentieren ihre Erfolge auf YouTube. Sie wollen eigenen Angaben nach die Scharia durchsetzen und ihre Wohngebiete von Ungläubigen reinigen. Alkohol und Frauen, "die wie komplett nackte Tiere ohne Selbstwertgefühl" auf die Straße gingen, gelte es aufzuhalten, so die "Muslim Patrol".

Am Ende des Videos präsentiert die Bürgerwehr auch Aufnahmen eines verletzten Radfahrers - dessen Unfall sei auf Alkohol zurückzuführen, behauptet der Sprecher. "Jeder, der zuhört oder zusieht: Das ist eine Einladung zum Islam - weg von einem solchen Lebensstil."

"Reste vom verrückten Rand"

Bei der "Muslim Patrol" dürfte es sich um eine Abspaltung der seit Langem verbotenen islamistischen Sekte al- Muhajiroun handeln, glaubt Raheem Kassan von "The Commentator", wo die Videos der Gruppe erstmals thematisiert wurden. Es seien "Reste vom verrückten Rand", die in den seriösen muslimischen Gemeinden Großbritanniens keinen Platz hätten, sagte er gegenüber der "Welt" . Die Aktionen seien "abstoßend und unmoralisch, ganz und gar unrepräsentativ für die große Zahl britischer Muslime".

Andere Muslime lehnen Bürgerwehr ab

Auch bei anderen Muslimen stößt die Bürgerwehr auf Kritik. So sagte etwa Mohammed Shafiq, Leiter der muslimischen Ramadhan Foundation: "Wir leben im Vereinigten Königreich, hier bestimmen die britischen Gesetze, es sollte keine Pöbelherrschaft geben. Wenn Leute an so einem Verhalten beteiligt sind, ist das beunruhigend, aber es ist ein Einzelfall."

Die Vorfälle haben dennoch Konsequenzen: Inzwischen ermitteln laut "Daily Mail"  Polizei und Scotland Yard.

bge
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