Billig-Silikon
Frankreich: Chef von Implantat-Firma PIP verhaftet
Mas sei im Haus seiner Ehefrau im südfranzösischen Six-Fours festgenommen worden, sagte der Staatsanwalt. Laut seinem Anwalt musste Mas bei seiner Vernehmung "Hunderte Fragen" beantworten. Danach kam er gegen die Zahlung einer Kaution in Höhe von 100.000 Euro auf freien Fuß. Auch der PIP-Finanzchef Claude Couty wurde in La-Seyne-sur-Mer festgenommen, wo früher der Firmensitz war. Beide Anwesen wurden durchsucht.
Implantate mit Billig-Gel gefüllt
Mas hatte bereits in einem früheren Polizeiverhör zugegeben, drei Viertel seiner Prothesen mit einem Billig-Gel gefüllt zu haben, das er mit einem eigentlich für Industrieprodukte bestimmten Silikon zusammenmixte. Nur ein Viertel der Kissen habe das siebenmal teurere, medizinische Produkt eines US-Herstellers enthalten.
Weltweit wird geschätzt, dass 400.000 bis 500.000 Frauen die PIP-Implantate eingesetzt bekamen. Mehrere Länder empfahlen mittlerweile, die Silikonkissen wegen gesundheitlicher Risiken entfernen zu lassen. Die Billig-Silikonkissen, die auffällig oft rissen, werden für Entzündungen und von den Opfern sogar für Krebsfälle verantwortlich gemacht.
Bisher 20 Krebsfälle in Frankreich
Mas verteidigte sich hingegen stets mit dem Hinweis, dass er zwar ein billiges Silikon verwendet habe, die Qualität sei aber sogar besser gewesen. Bisher wurden in Frankreich 20 Krebsfälle bei Frauen mit PIP-Implantaten registriert. Ein Zusammenhang zwischen der Erkrankung und den Silikonkissen ist aber bislang nicht erwiesen.
Vom Hersteller ist keine Hilfe zu erwarten, er war bereits 2010 pleitegegangen. Eine erste Klage auf Schadenersatz in Frankreich war zwar erfolgreich, ob und wann Betroffene in Österreich Geld erhalten, kann aber niemand abschätzen. Zwei betroffenen Österreicherinnen konnte die "Krone"-Ombudsfrau Hilfe vermitteln: Schönheitschirurg Artur Worseg wird sie operieren (siehe Infobox).
Der Skandal hat indessen in Europa auch eine Diskussion um die Sicherheit von Medizinprodukten generell ausgelöst. Die EU prüft, ob die Vorschriften für Kontrollen verschärft werden.







Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.