Der Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma wird mittlerweile weltweit gesucht, seit er am Donnerstag mit einem Geldtransporter in der südfranzösischen Stadt verschwand (siehe Infobox). Aufgrund seiner Herkunft aus dem ehemaligen Jugoslawien sei der 39- jährige Geldbote möglicherweise in Richtung Osteuropa geflohen, hieß es aus Ermittlerkreisen. Die 185 Mitgliedstaaten der internationalen Polizeibehörde Interpol seien alarmiert.
Musulin hatte einen kurzen Halt bei seiner Firma in Lyon am Donnerstag genutzt, um sich mit dem Transporter aus dem Staub zu machen, während seine beiden Kollegen dort Papierkram erledigten. Die Polizei fand den Wagen später leer in einem Vorort von Lyon. Der Geldbote hatte den Millionendiebstahl offenbar gut vorbereitet: Seine Wohnung und seine Konten waren praktisch leergeräumt, selbst den Kühlschrank ließ der alleinstehende Mann leer zurück; seine Papiere nahm er mit.
Doch nicht nur der Coup an sich verblüfft die Fahnder. Auch das Doppelleben von Toni Musulin gibt ihnen Rätsel auf. Nach bisherigen Ermittlungen fuhr der Verdächtige stets mit dem Fahrrad zur Arbeit und beklagte sich über seinen Hungerlohn. Doch in der Garage hatte Toni M. einen Ferrari stehen. Auf einem Dutzend Bankkonten lagen außerdem 100.000 Euro verteilt. Alkohol trank er nie. Als er noch verheiratet war, sprang er ab und zu für seine Frau an der Bar eines Portugiesen- Cafés im südostfranzösischen Villeurbanne ein. Wenn er ein Auto brauchte, fuhr er mit einem alten Peugeot 406. Mehr war nicht drin bei 1.700 Euro Gehalt. Toni sei bescheiden und "überhaupt kein Spieler", sagt seine Ex- Frau.
Den Ferrari bekamen Tonis Nachbarn nie zu sehen. Der gehörte zu seinem zweiten Leben. In dem war Toni Unternehmer. Er dealte mit Luxusautos und war Miteigner einer Immobiliengesellschaft. Doch diese Geschäfte machte Toni am anderen Ende von Frankreich, zumeist per Internet und Telefon. Schließlich meldete er den Ferrari als gestohlen und plante seinen großen Coup: den ersten Diebstahl eines Geldtransporters durch seinen Fahrer in Frankreich.